Zurück in die Zukunft beim ARD-Sonntagstalk : Anne Will folgt Günther Jauch

Vorwärts in die Vergangenheit: Kaum sagt Günther Jauch Adieu, zieht die ARD Anne Will aus dem Hut. Jauch hatte Will 2011 vom Talkplatz am Sonntag verdrängt.

von
Ab 2016 talken nur noch Frank Plasberg, Sandra Maischberger und Anne Will (v.l.n.r.) für die ARD. Reinhold Beckmann und Günther Jauch sind dann nicht mehr dabei.
Ab 2016 talken nur noch Frank Plasberg, Sandra Maischberger und Anne Will (v.l.n.r.) für die ARD. Reinhold Beckmann und Günther...Foto: ARD/Montage: Tsp

Hoppla, plötzlich ging es in der ARD ganz schnell. Anne Will wird Nachfolgerin von Günther Jauch als ARD-Polittalkerin am Sonntagabend. Das teilte der verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Dienstag mit. Anne Will reagierte cool: „ Ich mache den Mittwoch mit großem Spaß, aber es ist auch ein schönes Angebot, demnächst auf den Sonntag zu wechseln. Mein Team und ich haben entschieden, wir machen das, wir haben da Lust zu.“ Und twitterte hinterher: „Sonntags Powersofaliegen war schon schön. Aber Hintern hoch ist eh gesünder.“

Die Show wird weiter Wills Namen tragen. Ihre Mittwochssendung, bis zum Jahresende weiter um 22 Uhr 45 im Programm, wird auch von ihrer eigenen Firma, der Will Media, produziert.

NDR und ARD reagieren damit auf die Ankündigung von Günther Jauch vom vergangenen Freitag, dass er die angebotene Vertragsverlängerung über 2015 hinaus nicht wahrnehmen wolle. Der Moderator nannte berufliche und private Gründe. Der 58-Jährige talkt seit 2011 am Sonntag nach dem „Tatort“. Er hatte damals Anne Will verdrängt, die wiederum 2007 Sabine Christiansen nachgefolgt war. Will und Christiansen waren beide von den „Tagesthemen“ auf den Talkstuhl in Berlin gewechselt. Mit der raschen Nachfolgeregelung will die ARD dem scheidenden Moderator wohl beweisen: Ohne Jauch geht’s auch.

Genugtuung für Anne Will


Für die 49-jährige Will wird die Berufung eine Genugtuung sein. Seit ihrer „Versetzung“ auf den Mittwoch hatte sie das geleistet, was die ARD von 2016 an von ihr sehen und hören will: eine eminent politische Talkshow. An diesem Mittwoch talkt sie über die „Homo-Ehe“.

Günther Jauch, der als Polit-Conférencier agierte und agiert, hat seine gleichnamige, vor allem bei der Fernsehkritik umstrittene Show am Sonntag zum erfolgreichsten Talkformat entwickelt. Daran wird Anne Will sich messen lassen müssen. Die Sendung „Günther Jauch“, die seit September 2011 am Sonntagabend im Ersten läuft, erreichte nach Angaben der ARD 2014 im Schnitt 4,57 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 16,1 Prozent. Die redaktionelle Federführung für die Sendung liegt beim NDR. Auch die Talksendung „Anne Will“ wird von diesem Sender redaktionell betreut. Ihre Talkshow erreichte auf dem Mittwochssendeplatz nach den „Tagesthemen“ im vergangenen Jahr durchschnittlich 1,51 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 10,4 Prozent. 2010 hatte Will auf dem Sonntagssendeplatz in den Monaten Januar bis Juni im Schnitt 4,05 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 14,1 Prozent erreicht.

Unklar ist, wie der Mittwochsplatz künftig genutzt wird

Der NDR wird für die ARD einen neuen Vertrag mit Anne Will abschließen, heißt es in der Mitteilung. Dieser Vertrag stehe unter dem Vorbehalt, dass die zuständigen Gremien zustimmen. Lutz Marmor, ARD-Vorsitzender und NDR Intendant, sagte: „Anne Will beweist seit vielen Jahren, dass sie die politische Gesprächssendung hervorragend beherrscht. Auf ihrem aktuellen Sendeplatz am Mittwoch hat sie weiter an Profil gewonnen.“ Im nächsten Jahr werde sie wieder sonntags das Thema der Woche präsentieren: Aufschlag Anne Will.“

ARD-Programmdirektor Volker Herres meinte, „Anne Will“ am Sonntag sei eine gute Entscheidung, die den hohen Erwartungen an diesen Sendeplatz gerecht würde: "eine Top-Moderatorin für den Premium-Anspruch“. Wie der derzeitige Sendeplatz von „Anne Will“ am Mittwoch genutzt wird, ist noch offen. Einigkeit besteht in der ARD darüber, dass es kein neues politisches Talkformat auf diesem Platz geben werde.
Wer sich über das Comeback von Anne Will am Sonntag wundern mag, der sei an Thomas Gottschalk erinnert. Der war Showmaster bei „Wetten, dass..?“, dann ging er, um erfolgreicher denn je zurückzukehren.

Autor

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben