Zustimmung vom Kartellamt : Etappensieg für Springer und Funke

Das Kartellamt hat der Funke Mediengruppe den Kauf der TV-Zeitschriften von Springer unter Auflagen gestattet. Aber was wird aus den geplanten Gemeinschaftsunternehmen?

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Unter Auflagen: Die „Hörzu“ darf die Funke Mediengruppe behalten. Andere Programmzeitschriften wie die „Funk Uhr“ werden an die Klambt-Gruppe weitergegeben. Foto: dpa
Unter Auflagen: Die „Hörzu“ darf die Funke Mediengruppe behalten. Andere Programmzeitschriften wie die „Funk Uhr“ werden an die...Foto: dpa

Der Mitte 2013 geschlossene Springer-Funke-Deal hat am Dienstag eine weitere Hürde genommen. Das Bundeskartellamt hat die Übernahme mehrerer TV-Zeitschriften des Springer-Verlages durch die Funke Mediengruppe („WAZ“) gebilligt – allerdings nur unter Auflagen. Das größte Hindernis steht dem Vertrag mit einem Volumen von 920 Millionen Euro aber möglicherweise noch bevor.

Nach der Entscheidung der Wettbewerbshüter darf die Funke Mediengruppe nun die vom Springer-Verlag erworbenen Zeitschriften „Hörzu“ und „TV Digital“ betreiben. Im Gegenzug wird Funke allerdings verpflichtet, mehrere Titel aus dem gekauften Paket – „Bildwoche“, „Funk Uhr“, „TV Neu“ – sowie einige eigene Programmzeitschriften – darunter „die zwei“, „Super TV“ und „TV 4 Wochen“ – weiterzugeben. Die Programmzeitschriften werden wie von Springer und Funke vorgeschlagen von der Mediengruppe Klambt übernommen. Klambt hat bislang keine TV-Zeitschriften im Portfolio.

Das Kartellamt hatte die Weitergabe der Zeitschriften an die Klambt-Gruppe zunächst wegen ungeklärter Finanzierungsfragen abgelehnt. Erst nachdem feststand, dass Klambt den Kredit für den Kauf der Zeitschriften ausschließlich vom Springer-Verlag und nicht von der Funke Mediengruppe erhält, wurde Klambt als Käufer vom Kartellamt akzeptiert.

Die Frage nach dem wirtschaftlichen Risiko hat sich faktisch erledigt

Der Vertrag zwischen Springer und Funke umfasst drei Bereiche, die zunächst als ein großes Paket dem Kartellamt zur Prüfung vorgelegt wurden. Wegen der Komplexität wurde dieser Antrag später zurückgezogen und durch drei getrennte Verfahren ersetzt. Als Erstes wurde die Übernahme der Regionalzeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ durch die Funke Mediengruppe gebilligt. Zugleich erhielt der Erwerb mehrerer Frauenzeitschriften die Zustimmung der Kartellwächter. Nachdem nun auch der Kauf der TV-Zeitschriften geklärt ist, hat sich für Springer und Funke die Frage, wer das wirtschaftliche Risiko des Vertrages trägt, faktisch erledigt.

Noch nicht entschieden wurde allerdings über den dritten Vertragsbestandteil: die geplante Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen zur Vermarktung von Anzeigen und zum Vertrieb von Printerzeugnissen. Wie das Kartellamt auf Anfrage mitteilte, liegt dafür noch keine Anmeldung vor. Diese soll nun kurzfristig erfolgen, sagte Springer-Sprecher Tobias Fröhlich dem Tagesspiegel. Auch Funke bekräftigte die Absicht, an diesem Vorhaben festzuhalten und die Gemeinschaftsunternehmen „ so schnell wie möglich“ beim Kartellamt zu beantragen.

Durch die Zusammenarbeit im Vertrieb soll der Einzelverkauf der von Funke gekauften Titel auch künftig vom Springer-Verlag erledigt werden. Ähnlich verhält es sich mit den Anzeigen für die von Funke gekauften Titel. Problematisch wird es vor allem dann, wenn zusätzliche Funke-Titel in diese Planungen eingebunden werden. Vor allem die Stärke von „Bild“ in den Regionalmärkten dürfte dann zum Thema werden. Kartellamtschef Andreas Mundt hatte bereits angemerkt, dass die Prüfung der Gemeinschaftsunternehmen kein Selbstläufer werden dürfte. Kurt Sagatz

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