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Analyse zu Obamas Wiederwahl : Präsident einer gespaltenen Nation

07.11.2012 09:58 Uhrvon
Barack Obama ist wiedergewählt: Nach einem spannenden Wahlkampf besiegte er Herausforderer Mitt Romney im Rennen um das Weiße Haus.Bild vergrößern
Barack Obama ist wiedergewählt: Nach einem spannenden Wahlkampf besiegte er Herausforderer Mitt Romney im Rennen um das Weiße Haus. - Foto: Reuters

Man muss froh sein, dass der Welt ein US-Präsident Mitt Romney erspart bleibt. Doch die Jahre im Oval Office haben Barack Obama einsamer, nüchterner, müde gemacht. In seiner zweiten Amtszeit wird er sich noch mehr als bisher auf Amerikas Eigeninteresse konzentrieren. Was erwartet Obama an Herausforderungen - und was bedeutet seine Wiederwahl für Europa?

Sie haben gekämpft, gelitten, gestritten. Monatelang. Und bis zur letzten Sekunde. Das letzte Wort hatten die US-Bürger: Sie haben die wichtigste Wahl der Welt entschieden - und Barack Obama eine zweite Amtszeit im Weißen Haus beschert. Nach einem der spannendsten und teuersten Wahlkämpfe der US-Geschichte setzte sich der Amtsinhaber gegen Herausforderer Mitt Romney durch.
Obama erhält vier weitere Jahre. Gut so. Oder? Europa, Deutschland, wo sich neun von zehn für Obama entschieden hätten, atmet erleichtert auf.

Zu Recht? Das wird sich zeigen müssen.

Man muss froh sein, dass der Welt ein US-Präsident Mitt Romney erspart bleibt. Ein Mann, der während des Wahlkampfes ungefähr alle Positionen und auch ihr Gegenteil vertreten hat, ein Mann, der ein Billionen-Staatsdefizit mit Steuersenkungen und Mehrausgaben für Rüstungsprojekte bekämpfen wollte, der kann als intellektuell nicht satisfaktionsfähig gelten. Und schlimmer noch als der pragmatische Mormone präsentierte sich die republikanische Partei, deren Kandidat er war: eine radikalisierte, ideologisierte, sich in glaubenskriegerischen Grabenkämpfen ergehende Truppe mit einer auf Fundamentalopposition gebürsteten Tea Party.

Doch was ist jetzt von Obama zu erwarten? Schon einmal haben die Deutschen den ersten Schwarzen im Weißen Haus als Messias und Heilsbringer gefeiert. Er galt, nach acht George-W.-Bush-Jahren, als der europäischste, der westlichste Kandidat, als „einer von uns“. Vier Jahre und eine Reihe gebrochener Versprechen später ist klar: Das war ein Missverständnis.

Obama verkündete die Schließung des Militärlagers Guantánamo Bay - es ist bis heute in Betrieb. Er versprach eine Einwanderungsreform - und hat keine vorgelegt. Er wollte der Klimapräsident schlechthin werden - doch selbst die jüngste Katastrophe des Hurrikans „Sandy“ wird seiner Idee einer grünen Ökonomie kein neues Leben einhauchen. Und er, der Friedensnobelpreisträger, hat den Drohnenkrieg in Pakistan und Jemen, zwei Ländern, denen formal nie der Krieg erklärt wurde, massiv ausgeweitet. Sehr zum Verdruss einer kritischen Öffentlichkeit in Europa auch ist man trotz vollmundiger Ankündigungen einer atomwaffenfreien Welt keinen Schritt näher gekommen.

Nein, nach vier Jahren ist die Obamania vorbei, er gilt nurmehr als das kleinere Übel. Es ist an ihm, das Feuer neu zu entfachen.

Europa wird gut daran tun, eher früher als später zu begreifen, dass Obama in seiner zweiten Amtszeit sich noch weniger um den Lauf der Weltendinge, und noch mehr auf Amerikas Eigeninteresse konzentrieren wird.

Die US-Wirtschaft stagniert, die Schuldenlast der USA hat 16000 Milliarden Dollar überstiegen. Die Stimmung im Land ist mies, man ist kriegsmüde und mehr denn je mit sich selbst beschäftigt. Seine Wähler, ja seit heute vermutlich alle Amerikaner erwarten von Obama jetzt vor allem Jobs, Jobs, Jobs. Einen echten Spardeal. Und Ideen, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Schulden abzubauen, den Staatshaushalt zu konsolidieren. That is, what it is all about.

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