Gastbeitrag zur Kindererziehung : Nachbarschaftshilfe für Alleinerziehende

Überfordert, gestresst und erschöpft: Für viele Alleinerziehende ist der Alltag eine Herausforderung, die manchmal zu viel wird. Meike Büttner schreibt darüber in ihrem Blog. Auf Tagesspiegel.de verrät sie, wie Nachbarschaft hier Abhilfe leisten kann und warum es sich lohnt, um Hilfe zu bitten.

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Neben Zeit und Geld, braucht es auch nachbarschaftliche Hilfe, um ein Kind zu erziehen.
Neben Zeit und Geld, braucht es auch nachbarschaftliche Hilfe, um ein Kind zu erziehen.Foto: dpa

It takes a village to raise a child, sagt ein altes afrikanisches Sprichwort. Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Aber was macht man, wenn man ein solches Dorf nicht zur Verfügung hat? Im Grunde ist alles ganz einfach, wenn sich jeder von uns als Teil eines Dorfes begreift.

 In Deutschland gibt es 1,6 Millionen Alleinerziehende. In den alten Bundesländern stellen sie 18,3 Prozent der Eltern, in den neuen Bundesländern sind es sogar 25,9 Prozent. Die durchschnittliche Ehe der Deutschen dauert nur noch 14 Jahre. Die Zahl derer, die sich alleine um die Kinder kümmern, wächst stetig und sie stellt die Bevölkerungsgruppe mit dem größten Armutsrisiko dar. Viele von uns kennen diese Fakten und wissen auch, dass es aufgrund fehlender Betreuungsplätze und dem leidigen Thema Minijobs für die meisten der Betroffenen kaum möglich ist, ihren Lebensunterhalt zu decken. Wir alle wissen von den Zahlen und Fakten der Kinderarmut in Deutschland, was die meisten von uns nicht wissen, ist allerdings, wie die Leben der Menschen aussehen, von denen diese Zahlen berichten.

 Als Betreiberin eines Blogs für Alleinerziehende erhalte ich Tag für Tag Zuschriften von Betroffenen, deren Beschreibungen sich ähneln und die mich jedes mal berühren. Sie berichten davon, dass sie für die Nutzung ihrer Tagesmütter/-väter Arbeitszeiten belegen müssen, dass sie niemanden kennen, der ihnen mal unter die Arme greifen würde und dass sie gefangen sind in einem Leben zwischen Arbeit, Kind/ern und Existenzängsten. Was ausnahmslos jedem der Betroffenen zu fehlen scheint, ist eine Auszeit. Sie leben in einem Hamsterrad. Entweder finden sie gar keine Betreuung für ihre Kinder und leiden unter den niedrigen Hartz IV Sätzen und allem was dazu gehört – dem Stigma, der Entwürdigung, der Hoffnungslosigkeit – oder sie rennen hin und her zwischen prekärer Arbeitsstelle und dem Kindergarten. Und viele von ihnen sind am Ende ihrer Kräfte.

 Die Erziehung von Kindern ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die für eine Einzelperson tatsächlich nicht hinlänglich zu erfüllen ist. Ein Kind braucht eine 24-stündige Aufmerksamkeit. Alleinerziehende sind im permanenten Bereitschaftszustand. Es gibt für sie keine Pausen. Unter dieser Dauerbelastung leiden sie alle und sehr viele von ihnen trauen sich nicht einmal, diese Erschöpfung zuzugeben. Der Druck der Leistungsgesellschaft macht sie klein. Dagegen kann jeder von uns etwas unternehmen.

 Die wenigsten trauen sich, um Hilfe zu bitten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es fällt, die Verantwortung über die eigenen Kinder abzugeben und sich einzugestehen, dass man keine Maschine ist, dass man nicht rund um die Ohr für einen anderen Menschen da sein kann, dass man eine Pause auch verdient hat. Nun, wo Sie darüber informiert sind: Wie wäre es, wenn sie kommendes Wochenende einfach mal die Kinder einer alleinerziehenden Freundin zu sich nach Hause einladen? Machen Sie doch einfach mal einen Fernsehabend mit Pyjamaparty, oder rufen Sie zwischendurch einfach mal an und fragen sie, ob Sie mit den Kindern eine Stunde auf den Spielplatz gehen sollen. Solange die Politik es offenbar nicht stemmen kann, diesen Müttern und Vätern ein würdevolles Leben zu bescheren, helfen wir doch einfach selbst.

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