BER-Desaster : Flughafenchef Rainer Schwarz ist nicht mehr tragbar

15.08.2012 07:30 Uhrvon
Eröffnung erneut verschoben: Der neue Hauptstadt-Flughafen wird frühestens im Sommer 2013 eröffnet. Foto: dapd
Eröffnung erneut verschoben: Der neue Hauptstadt-Flughafen wird frühestens im Sommer 2013 eröffnet. - Foto: dapd

Es ist die vierte Verschiebung des Eröffnungstermins. Sie als neuerliches Zeichen Berlin-Brandenburger Inkompetenz zu werten, wäre zwar unfair. Doch es ist klar, was als einziges in einem überschaubaren, kürzeren Zeitraum mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Flughafen BER aus fliegen wird.

Als der neue, weit vor den Toren der Stadt liegende Münchner Flughafen 1992 eröffnet wurde, lästerten die Berliner, die wie immer alles besser machen wollten, der in Bayern sei der einzige Flughafen der Welt, der nur aus der Luft zu erreichen ist. Im Jahr 2012 kehrt sich der Spott von einst gegen seine Urheber von damals um: Der neue Flughafen BER in Berlin-Schönefeld ist auf dem besten Wege, der einzige Flughafen der Welt zu sein, den die Reisenden für lange Zeit nur auf dem Landwege erreichen können.

Es wäre dennoch unfair, die nunmehr vierte Verschiebung des Eröffnungstermins als neuerliches Zeichen Berlin-Brandenburger Inkompetenz bei der Durchführung großer Infrastrukturprojekte zu werten.

Das Gegenteil ist richtig. Der aus Frankfurt nach Berlin geholte, dortige Flughafenchefplaner Horst Amann ist vermutlich der erste Fachmann auf der Leitungsebene des Berliner Flughafenbaus, der mit absoluter Ehrlichkeit und ohne jede Neigung zur Schönfärberei die Lage analysieren will. Jetzt erst hat er die Spezialisten seines Vertrauens an der Seite, nun braucht er mehrere Wochen Zeit. So viel aber scheint er schon nach kurzer Durchsicht der Unterlagen festgestellt zu haben: Der 17. März 2013 würde schwierig zu halten sein. Bis zum 14. September, dann tagt der Aufsichtsrat erneut, wird er wohl eine Empfehlung vorlegen, wie es weitergehen kann.

Das Flughafen-Desaster in Bildern

Unter dem seit Monaten währenden Streit um die immer länger werdende Mängelliste des Schönefelder Bauvorhabens hat auch der politische Ruf des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit und seines Stellvertreters Matthias Platzeck gelitten. Dem Berliner wurde noch mehr als dem Brandenburger vorgeworfen, er habe die Zügel schleifen lassen und seine Aufgabe nicht ernst genommen.

Das alles hat sich inzwischen gebessert. Klaus Wowereit hat erkannt, dass das Flughafendebakel vor allem an ihm wie Pech hängen bleiben würde und dass er sich, auch für die Öffentlichkeit wahrnehmbar, erheblich mehr engagieren muss. Man kann sich aber kaum vorstellen, dass der Regierende Bürgermeister nicht schon viel länger gewusst oder zumindest geahnt hat, dass die Terminvorgaben hoffnungslos ins Rutschen geraten waren.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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