Militärische Gewalt ist nicht an sich schlecht

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Diffuser Pazifismus : Warum sich die Deutschen mit Gewalt so schwer tun
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Statt also immer von Neuem die pazifistische Melodie zu singen, wäre es klug, eine politische zu intonieren, weil eben militärische Gewalt – siehe oben – nicht an sich schlecht, sondern nur als falsche Politik schlecht ist. Das aber setzt voraus, dass die Deutschen wieder eine Tatsache der Weltgeschichte akzeptieren lernen, die Bismarck in seiner ersten Regierungserklärung als preußischer Ministerpräsident 1862 in die berühmten Worte fasste: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut.“

Und so wird auch das Assad-Regime – leider – nicht durch UN-Beschlüsse und diplomatische Finessen fallen, am wenigstens durch irgendwelche Verbote, seine Repräsentanten in Paris oder London einkaufen zu lassen, sondern durch einen Bürgerkrieg, in dem die Iraner und Russen ihren schiitischen Verbündeten unterstützen, den das sunnitische Saudi-Arabien und die Golfstaaten zum Teufel jagen möchten. Man kann das aus menschenrechtlicher Sicht bedauern, aber es ist realitätsblind, die eine wie die andere Seite immer von Neuem mit gutem Zureden zum Aufgeben anzuhalten.

Die Deutschen tun sich damit besonders schwer, weil sie hinter der militärischen Gewalt immer nur Wilhelm II. und Hitler sehen, während unsere Nachbarn durch Churchill und de Gaulle eine ganz andere Sicht auf diese Ereignisse haben. Es wird deshalb höchste Zeit, dass wir unsere Sichtweise auch hier ein wenig europäisieren.

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