Europäische Wahl in Italien : Eine Wahl, doch keine Chance

Nationale Wahlen waren einmal in Europa, meint Andrea Dernbach. Die Wahl, vor der Italien an diesem Wochenende steht, ist eine europäische. Gleichzeitig könnten die Italiener auch ihren Unmut über die herrschende Alternativlos-Politik zum Ausdruck bringen.

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Welcher Pappkamerad wird es? Figuren italienischer Politiker.
Welcher Pappkamerad wird es? Figuren italienischer Politiker.Foto: dpa

Es gibt keine nationalen Wahlen mehr in Europa, und auch die Wahl, vor der Italien an diesem Wochenende steht, ist eine europäische. Die Väter und Mütter des Europa-Gedankens hätte diese Art der Europäisierung freilich kaum gefreut. Der Blick, der über die Grenzen geht, ist voller Angst und Zorn. Der Norden des Kontinents fürchtet einen Süden, der für nichts als Schulden und Korruption zu stehen scheint, der Süden sieht sich von Europas Norden geknebelt, von Forderungen nach „Reformen“, die inzwischen jedes Kind so entziffert, wie sie in der Wirklichkeit aufschlagen: als Abbau öffentlicher Güter und Infrastruktur, höhere Steuern und Abgaben, beschnittene Lebenschancen. Italiens Zwischenpremier Mario Monti hat dem Land ein seriöseres Image im Ausland verschafft, seine Landsleute können sich dafür im wahrsten Sinne des Wortes nichts kaufen, weniger denn je. Die Familieneinkommen schrumpfen weiter, und die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar drastisch um etwa zehn Prozentpunkte auf rund 38 Prozent gestiegen.

Der Sprücheklopfer Berlusconi
Ein herber Schlag für Berlusconi: Der frühere italienische Ministerpräsident und bis heute mächtigste Politiker des Landes ist zum ersten Mal in letzter Instanz verurteilt worden. Nun helfen ihm auch seine provokanten Sprüche nicht mehr. Hier eine Sammlung seiner brisantesten Kommentare.Weitere Bilder anzeigen
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02.08.2013 09:11Ein herber Schlag für Berlusconi: Der frühere italienische Ministerpräsident und bis heute mächtigste Politiker des Landes ist zum...

Es muss daher nicht wundern, wenn ausgerechnet jene Politiker immer mehr Boden gutmachen, die am lautesten gegen das Diktat – in Italien ein deutsches Wort – von jenseits der Alpen wettern, aus Brüssel, Paris, Berlin: Der Blogger und Schauspieler Beppe Grillo und der Untote der römischen Politik, Silvio Berlusconi. Er, einer der großen Täter in der Krise seines Landes, sammelt Punkte mit unhaltbaren Steuersenkungsschwüren, aber auch damit, seinen Nachfolger Mario Monti als Angela Merkels Marionette hinzustellen.

Den satten Abstand von 20 Prozentpunkten zur Mitte-links-Allianz um Pierluigi Bersani hat er so zuletzt auf unter fünf Punkte drücken können. Und die Westerwelles, Polenz’, Schulz’, die in diesen Tagen den Zeigefinger recken, sind leider seine besten Wahlhelfer. Die mal offenen, mal subtileren deutschen Belehrungen ans italienische Wahlvolk, wen es gefälligst nicht zu wählen habe, kann Berlusconi perfekt zum Beweis umbiegen, dass genau er die einzige Alternative zu einem Europa der Deutschen sei.

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