Feleknas Uca : „Schande über alle, die schweigen“

„Was soll denn das mit Kurdisch“, schnaubten die Polizisten und nahmen sie fest. Jetzt ist die kurdischstämmige Politikerin wieder frei. Ein Porträt.

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Foto: Linkspartei
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Gleich nach ihrer Festnahme am Istanbuler Flughafen am Mittwoch stellte Feleknas Uca die türkischen Polizeibeamten vor ein Problem. Sie wollten die 36-jährige Ex-Europaabgeordnete der Linken dazu befragen, warum sie 248 unverzollte Päckchen mit Vitaminpräparaten im Gepäck hatte. Außerdem lag angeblich der Verdacht auf Mitgliedschaft in einer Organisation der PKK-Kurdenrebellen vor. Doch die in Celle geborene Kurdin lehnte ein Verhör auf Türkisch strikt ab. Die Polizisten indes wollten partout keinen kurdischen Dolmetscher bestellen.

„Was soll denn das mit Kurdisch“, schnaubten die Polizisten nach Angaben von Ucas Anwalt Ramazan Demir. Die kurdische Sprache ist für so manchen türkischen Staatsdiener eben immer noch vor allem ein von der PKK benutztes Instrument zur Spaltung des Landes. Daran ändert auch ein neuer Gesetzentwurf nichts, der die Verwendung des Kurdischen vor türkischen Gerichten ermöglichen soll.

Uca ist mit Kurdisch und Deutsch als Muttersprachen aufgewachsen, nicht mit Türkisch. Sie bestand darauf, auf Kurdisch vernommen zu werden. Erst knapp 24 Stunden später kam die Istanbuler Staatsanwaltschaft dem nach. Uca wies im Verhör den Vorwurf der Verbindungen zur PKK oder deren „Union der Gemeinschaften Kurdistans“ (KCK) zurück, und die Staatsanwaltschaft hatte wohl auch keinerlei handfeste Beweise.

Die Sache mit den Vitaminpräparaten konnte Uca auch erklären. Die Politikerin setzt sich öffentlich für mehrere hundert kurdische Häftlinge ein, die sich im Hungerstreik befinden: „Schande über alle, die schweigen“, schrieb sie vor ihrer Reise nach Istanbul auf Twitter. Deshalb lag der Verdacht nahe, sie habe die B1-Vitamine zur gesundheitlichen Versorgung der Hungerstreikenden mitgebracht.

Im Verhör sagte Uca aber nach türkischen Medienberichten, die Präparate seien für schwangere kurdische Frauen bestimmt gewesen, die in Gefahr seien, infolge von häuslicher Gewalt Fehlgeburten zu erleiden. Bei einer ähnlichen Reise im vergangenen Jahr habe sie keine Scherereien bekommen. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte das, weil sie Uca keine politisch motivierte Aktion zur Unterstützung des kurdischen Hungerstreiks nachweisen konnte.

Deshalb wurde Uca auf freien Fuß gesetzt, musste das Land aber verlassen. Am Freitagmorgen reiste sie zurück nach Deutschland. Die Vitaminpräparate ließ die Staatsanwaltschaft beschlagnahmen. Thomas Seibert

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