Flüchtlinge aus Afrika : Wir würden es genauso machen

Afrikaner, die illegal nach Europa einreisen möchten, haben es nicht auf höhere Sozialhilfe abgesehen. Sie flüchten vor Armut, Krieg und Hunger. So wie es Millionen von Deutschen einst auch gemacht haben.

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Flüchtlinge aus Afrika tun das, was vor ihnen Millionen Deutsche getan haben
Flüchtlinge aus Afrika tun das, was vor ihnen Millionen Deutsche getan habenFoto: dpa

Im Mittelmeer, vor der Insel Lampedusa, ertrinken Menschen, weil sie von einem besseren Leben träumten. Sie kommen aus Afrika und wollen nach Europa. Viele Menschen sind unterwegs. Der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, hat über Zuwanderer aus Osteuropa einen Kommentar abgegeben. Friedrich sagte: „Es kann nicht sein, dass man ein Land nur deswegen wechselt, weil man höhere Sozialhilfe haben möchte.“ In einigen Fällen trifft dieses Motiv zu. Würden wir es anders machen, wenn wir an ihrer Stelle wären? Ich glaube nicht. Die meisten Leute aber, die zu uns kommen möchten, tun genau das, was wir Deutschen auch getan haben.

Millionen Deutsche machten es genau wie die Flüchtlinge aus Afrika

Millionen von Deutschen haben ihre Ersparnisse genommen und sich einen Platz in einem überfüllten Boot gekauft. Sie fuhren nach Amerika, Australien, Südafrika, weil sie auf ein besseres Leben hofften. Sie teilten diese Hoffnung mit Iren, mit Italienern, mit Juden aus Osteuropa. Allerdings nahmen die Einwanderungsländer auch damals nicht jeden. Viele wurden, etwa in den USA, erst interniert, dann zurückgeschickt, sie waren zu alt oder hatten politische Ansichten, die man für gefährlich hielt. Man hatte eine Chance, immerhin das.

Flüchtlinge haben es nicht auf unsere Sozialhilfe abgesehen

Und es stimmt ja auch heute, dass die reichen Länder nicht jeden aufnehmen können. Wenn sie es täten, wäre es mit ihrem Reichtum bald zu Ende. Was hätten die Armen davon, wenn die reichen Länder ebenfalls verarmen?

Afrikaner, die nach Europa illegal einreisen möchten, haben es nicht auf „höhere Sozialhilfe“ abgesehen. So etwas wie Sozialhilfe gibt es in ihren Heimatländern meistens nicht. Sie flüchten vor Armut, Krieg und Hunger. Ihr Traum ist es nicht, den Rest ihres Lebens in einem Asylantenheim zu verbringen. Ihr Traum ist es, eine Arbeit in Europa zu finden, eine Existenz zu gründen, mit Wohnung, vielleicht mit Auto, mit all dem, was für einen durchschnittlichen Deutschen selbstverständlich ist. Die Afrikaner, die ihre Ersparnisse einem Schlepper in die Hand drücken, um dafür einen Platz in einem überfüllten Boot zu kaufen, tun das, was vor ihnen Millionen Deutsche getan haben. Das sollte uns immer klar sein, wenn wir über sie reden.

Deutschland hat noch immer kein Konzept zur Zuwanderung

In Deutschland gibt es, trotz der Mini-Reform des Zuwanderungsgesetzes von 2004, noch immer kein Konzept oder eine Quote für die Einwanderung von Menschen, die hier ihr Glück suchen, arbeiten und sich integrieren möchten und die wir gut brauchen könnten. Platz ist vorhanden. Die Bevölkerungszahl sank lange Zeit, seit 2010 steigt sie wieder leicht, vor allem wegen der Krise in Südeuropa. 2012 sind eine Million Personen nach Deutschland gezogen, meist EU-Bürger, 700 000 Personen haben das Land verlassen. Vor Lampedusa ertranken 2012 etwa 1500 Afrikaner.

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