Flug zum Mars : Eine Reise zu uns selbst

Menschenfeindliche Bedingungen herrschen auf dem Mars und dennoch begeistern sich viele Menschen für den Roten Planeten. Die Reise zum Mars ist ein alter Traum – der eine große Chance bieten könnte.

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Das Dorf der Zukunft? In solchen sogenannten Living Units sollen die künftigen Marsbewohner leben.
Das Dorf der Zukunft? In solchen sogenannten Living Units sollen die künftigen Marsbewohner leben.Fotosimulation. MarsOne

Über Jahrhunderte war es nicht mehr als ein Traum, eine Spinnerei: zum Mars zu fliegen. Auf einmal jedoch erscheint eine solche Reise tatsächlich machbar. Und zwar nicht nur für einen elitären Reisekader, der von allerlei halbstaatlichen Gremien auf Kondition und Gesinnung geprüft wurde, sondern für jeden, der sich dazu berufen fühlt. Dieses Angebot macht jedenfalls die niederländische Stiftung „Mars One“, die 2025 die ersten Menschen dorthin bringen will. Mehr als 200 000 Freiwillige haben sich gemeldet, wohlwissend, dass kein Rückflug vorgesehen ist. Und noch einige mehr haben wohl zumindest darüber nachgedacht, bevor sie sich gegen ihre Anmeldung entschieden haben.

Auch wenn die meisten Kandidaten früher oder später doch kneifen würden, zeigt der ungeheure Ansturm deutlich, wie groß die Faszination eines Marsfluges für viele Menschen ist. Trotz überwältigender Probleme auf unserer Erde, wo Millionen hungern, oft nicht einmal Zugang zu Trinkwasser oder einer Toilette haben. In einer Zeit, die sich seit der digitalen Revolution als neue Aufklärung versteht. In der fast alles den Standards von Moral und Nachhaltigkeit genügen muss, die ein erneuter milliardenteurer Wettlauf ins All definitiv nicht erfüllt.

Marsrover „Curiosity“
Aufregender Fund des Mars-Rovers „Curiosity“: Der kleine Forschungsroboter hat auf dem Roten Planeten Hinweise auf einen einstigen Fluss gefunden.Weitere Bilder anzeigen
1 von 23Foto: dapd
28.09.2012 14:47Aufregender Fund des Mars-Rovers „Curiosity“: Der kleine Forschungsroboter hat auf dem Roten Planeten Hinweise auf einen einstigen...

Bereits die Ägyptischen Hochkulturen begeisterten sich für den Mars

Die Begeisterung für den Mars ist so unvernünftig wie unheilbar. Sie gab es bereits während der Hochkultur in Ägypten, wo etwa der Name „Kairo“ auf den Planeten zurückgeht. Babylonier, Azteken und frühe Bewohner des Nordens luden in ihren Mythologien den Mars mit Tod, Krieg und Zerstörung auf. Als die Astronomen herausfanden, dass der rötliche Fleck am Himmel ein Steinbrocken war wie der Mond und die Erde auch, wurde er zum Schauplatz fantastischer Geschichten. Von Geigers „Reise eines Erdbewohners in den Mars“ über Bradbury bis zu Eschbachs „Marsprojekt“. Zumindest in Gedanken ist der Mensch längst angekommen auf dem Planeten.

Menschenfeindliche Bedingungen auf dem Mars

Nur, was zieht ihn dorthin? Ein Paradies ist es wohl kaum, das ahnten Wissenschaftler schon lange. Mit jeder weiteren Forschungsmission erfahren sie mehr über den Mars, was für ein menschenfeindlicher Ort er ist. Es ist klirrend kalt, staubtrocken und ohne ein schützendes Magnetfeld prasselt die kosmische Strahlung ungehindert auf alles und jeden. Die Argumente von möglichen Bodenschätzen oder potenziellen Refugien für die bedrohte Menschheit sind bezogen auf den Mars wie für den Mond: an den Haaren herbeigezogen. Auf absehbare Zeit ist es illusorisch, zu vertretbaren Kosten Rohstoffe zu gewinnen oder Menschen dort anzusiedeln. Auch die wissenschaftliche Erkundung ist mit Robotern für viel weniger Geld in annähernd ähnlicher Qualität möglich, die Astronauten liefern können.

Der wahre Antrieb ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, nämlich der Drang, Neues zu erkunden und Grenzen zu verschieben. So wie Kolumbus und Magellan in See stachen, wie Amundsen, Scott und Nansen ins ewige Eis vordrangen. Wie Armstrong seinen Stiefel in den Mondboden drückte und wie wir selbst einen hohen Berg besteigen oder uns bei Sturm am Strand entlangkämpfen. Es geht ums Ankommen, ums Dasein.

„Mars One“ ist zum Scheitern verurteilt

So erklärt sich auch die andauernde Sehnsucht nach dem Mars. Fragt sich nur, was uns das Abenteuer wert ist. Das Konzept von „Mars One“, das durch TV-Übertragungsrechte finanziert werden soll, wird nicht aufgehen. Die Technologie für eine einigermaßen sichere Reise gibt es noch nicht. Sie muss erst entwickelt werden, und das ist selbst für einzelne Nationen wie die USA oder Russland, die erklärtermaßen Menschen zum Mars bringen wollen, zu teuer. Gewiss, deren Kosten sind höher, weil sie auch einen Rückflug planen. Alles andere wäre – solange öffentliches Geld im Spiel ist – ethisch nicht zu vertreten.

Damit wird der Marsflug wohl nur durch eine internationale Kooperation gelingen. Darin liegt aber zugleich eine große Chance. Die Verwirklichung des alten Menschheitstraumes, ohne Ansehen von Nation und Religion, kann uns alle näher zusammenbringen – auf dass es uns endlich auch besser gelingt, die Probleme auf der Erde gemeinsam zu lösen.

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