Gastbeitrag : Rettet das Rentensystem

18.10.2012 11:18 UhrVon Kostas Petropulos
Immer mehr Menschen können von ihrer Rente nicht mehr leben und müssen Sozialhilfe beantragen. Foto: dpa
Immer mehr Menschen können von ihrer Rente nicht mehr leben und müssen Sozialhilfe beantragen. - Foto: dpa

Statt all der familienpolitischen Milchmädchenrechnungen: Kinderlose sollten weniger Rente bekommen, Eltern dafür mehr. Denn der Mangel an Kindern ist die zentrale Ursache für die Nöte der Alterssicherung.

Die Altersarmut erreicht die Mittelschicht! Mit dieser Botschaft schockte Bundessozialministerin Ursula von der Leyen Anfang September die Öffentlichkeit. Demnach droht jedem, der pro Stunde höchstens 12 Euro verdient, selbst nach 40 Beitragsjahren als Vollzeitbeschäftigter ab 2030 eine Rente auf Grundsicherungsniveau, das sind derzeit 688 Euro im Monat. Davon wären Millionen Erwerbstätige betroffen, die sich keine zusätzliche private Vorsorge per Riester-Rente leisten wollen oder können.

Schuld daran ist die beschlossene Absenkung des Nettorentenniveaus von rund 50 auf etwa 43 Prozent als politische Antwort auf die fortschreitende Überalterung der Bevölkerung.

Das Konzept der Minister einer „Zuschussrente“ als Vorbeugung gegen die absehbare Welle an Altersarmut ist jedoch nicht durchsetzbar. Für die selbst ernannten Verteidiger der jungen Beitragszahler wäre das eine Lösung zu Lasten der Nachwuchsgeneration. Sie pochen auf die geplante Rentenabsenkung und verlangen unverdrossen mehr staatliche Hilfen bei der Privatvorsorge durch das Riestersparen – ganz so, als hätte die Finanzmarktkrise des Jahres 2008 nicht die Alterssicherung von Millionen Menschen pulverisiert und könnte die europäische Staatsschuldenkrise nicht die gleiche Wirkung haben.

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Sollten Kinderlose bei gleichem Beitragssatz eine niedrigere Rente als Eltern erhalten?

Genau das lässt die andere Gruppe der Kritiker von der Leyens, unter ihnen Ex-Bundessozialminister Norbert Blüm, nach der „guten alten Rentenversicherung“ rufen. Sie wollen das Rentenniveau der Jahrtausendwende wiederhaben, bezahlt aus den bisherigen staatlichen Zuschüssen für die Privatrente und höheren Rentenbeiträgen, an denen sich die Arbeitgeber wieder zur Hälfte beteiligen sollen. Diese Mehrbelastung sei für die Jungen verkraftbar, wenn sie ausreichend hohe Einkommen verdienen könnten. Dafür bedürfe es einer guten Ausbildung und effektiver Maßnahmen gegen das grassierende Lohndumping auf dem Arbeitsmarkt.

Doch auch dieses Rezept ist eine Milchmädchenrechnung. Denn anders als seine Befürworter meinen, sind hohe Löhne eben kein Mittel zur Altersvorsorge. Sie bedienen nur die heutigen Rentner und erhöhen lediglich die eigenen Rentenansprüche – Ansprüche, die völlig wertlos sind, wenn es keine ausreichend große, leistungsfähige und zum Teilen bereite Nachwuchsgeneration gibt.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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