Gauck trifft Neonazi-Opfer : Fragen statt Antworten

Es bleibt offen, ob der Bundespräsident beim Themenkomplex Migration/Integration und Ausländerfeindlichkeit vom Orientierungssuchenden zum Orientierungsgebenden werden kann. Joachim Gauck unternimmt einiges, um sich zumindest in Position zu bringen. Er wird künftig mitreden, wenn es um die Aufklärung der Neonazi-Mordserie und der unfassbaren Fehler geht, die bei den Ermittlungen geschehen sind. Das ist das vielleicht wichtigste Signal, das er bei seinem Treffen mit den Opferfamilien ausgesendet hat. Allerdings hat er bei seiner kurzen nicht öffentlichen Ansprache mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben. Das ist im Prinzip auch nicht falsch, allerdings fehlte in der ganzen Debatte bisher das Benennen von Zusammenhängen und die Formulierung von Konsequenzen. Die Themen Migration und Integration und Fremdenfeindlichkeit hängen unmittelbar zusammen. Die Mordserie war in ihrer Größenordnung die Konsequenz von Menschen, die einer menschenverachtenden Ideologie anhängen. Spätestens wenn der Prozess beginnt, wird Deutschland sich darüber zu unterhalten haben: Wer sind wir, und wer wollen wir sein? Gauck hat beim Thema Asyl angedeutet, dass er unbequem werden kann. Er sollte es auch hier werden. ale

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