Geldpolitik der EZB : Die Zinsen in Europa bleiben niedrig

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Zinsen auf Dauer niedrig halten. Wer einen Kredit fürs eigene Haus braucht, darf sich freuen. Doch was machen Anleger?

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Sparschwein mit wenig Geld im Innern
Die EZB wird die Zinsen im Euroraum nicht erhöhen.Foto: p/a

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Zinsen wohl auch längerfristig auf niedrigem Niveau halten. Zurzeit liegt der wichtigste Leitzins, zu dem sich Banken bei der EZB Geld besorgen, auf dem historischen Tief von 0,5 Prozent. Die EZB sieht offenbar noch nicht einmal im Ansatz, wann sie ihre lockere Geldpolitik einstellen und die Zinswende einleiten könnte. Die Krise im Euro-Raum ist längst nicht überwunden und die Zentralbank will Banken animieren, in den Krisenstaaten endlich wieder mehr Kredite zu vergeben, Investitionen anzustoßen und damit einen Beitrag zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit zu leisten. Und sie will der Politik offenbar keine Steine für dringend notwendige Reformen in den Weg legen.

Historisch günstig

Das kann man gut oder schlecht finden. Es bedeutet aber auch: Spar- und Anlagezinsen bleiben auf nicht absehbare Zeit niedrig, Wer spart und Geld anlegt, steht vor einem Problem - ob Lebensversicherungen, Pensionskassen oder Verbraucher. Andererseits bieten die niedrigen Zinsen Verbrauchern erhebliche Vorteile: Kredite sowie Bau- und Eigenheimfinanzierungen sind historisch günstig. Der Kauf der eigenen vier Wände oder der Bau des Eigenheims erscheint recht lukrativ. Gleichwohl: Deshalb einfach nur kaufen oder bauen, sollte wohl überlegt sein. Geht es um den eigenen Bedarf spricht – bei entsprechendem Eigenkapital und tragbarer monatlicher Belastung - nichts dagegen. Wer aber nur auf eine lukrative Kapitalanlage schielt, sollte vorsichtiger agieren, gerade in Städten, in denen die Immobilienpreise schon kräftig gestiegen sind. Die gewünschte Rendite ist nicht in jedem Fall gesichert.

Freilich: Auf Dauer können niedrige Zinsen zu einem Problem werden. Solange die Krise in Europa nicht überwunden ist, droht eine Fehlleitung des billigen Geldes. Statt in den Kreditmarkt fließt es in den Immobilien- und Aktienmarkt und schürt dort tendenziell die Gefahr neuer Blasen. Immerhin, an der Börse ist das zurzeit nicht zu sehen. Seit seinem Höchststand im Mai hat der Deutsche Aktienindex rund sieben Prozent verloren. Unternehmen und Anleger scheinen aus Blasen und Crashs der Vergangenheit gelernt zu haben.

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