Meinung : Gleitsicht gibt es seit 1953

„Deutscher Satellit stürzt ab“

vom 15. Oktober

Der Röntgensatellit Rosat wurde 1990 gestartet. Die Technologieentwicklung zur Herstellung seines Kernstücks, des Röntgen-Fernrohrs, wurde Ende der 70er Jahre begonnen. Der Hersteller dieses Rosat-Fernrohrs Carl Zeiss in Oberkochen hat nach seinen Aussagen anschließend die aus dieser Entwicklung stammende Technologie auch für die Herstellung seiner speziellen Gleitsichtbrillengläser verwendet. Das erste Gleitsichtbrillenglas wurde bereits1953 von Rolf Riekher in Berlin hergestellt. Patente von 1953 der Erfinder Ernst Lau, G. Jaeckel und Rolf Riekher belegen diese Tatsache. 1959 wurden die ersten Gleitsichtgläser in Frankreich hergestellt, in Deutschland folgte man später mit der industriellen Fertigung. Die Erfindung und Herstellung der Gleitsichtbrille sind also zwei bis drei Jahrzehnte vor Rosat erfolgt. Daher erscheint es mir nicht korrekt, wenn gesagt wird: „Rosat verdanken wir die Gleitsichtbrille“, wie auch nicht „die“ Gleitsichtbrille ein Abfallprodukt der Entwicklung des Satelliten sein kann. Wohl eher könnten die speziellen Gleitsichtgläser des Rosat-Fernrohrentwicklers, der ja ein bedeutender Optikhersteller in Deutschland ist, ein „Abfallprodukt“ seiner Technologieentwicklung für das Röntgenfernrohr genannt werden. Daher möchte ich vor einer Legendenbildung warnen, die segensreiche Erfindung der Gleitsichtgläser stamme von der Weltraumtechnologie ab.

Dr. Heiner Lammert, Mahlow

0 Kommentare

Neuester Kommentar