Hakan Fidan: : „Wollen Sie einen eigenen Staat?“

Er verhandelt im Auftrag des türkischen Ministerpräsidenten mit PKK-Chef Öcalan auf dessen Gefängnisinsel: Hakan Fidan soll den Kurdenkonflikt lösen. Ein Porträt

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Foto: MIT
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Er tritt nur selten öffentlich in Erscheinung und ist doch einer der wichtigsten Akteure in einem Schicksalsprojekt für die Türkei: Hakan Fidan führt als Chef des türkischen Geheimdienstes MIT seit einigen Wochen im Auftrag von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Verhandlungen mit dem inhaftierten Rebellenchef Abdullah Öcalan über eine Lösung des Kurdenproblems.

„Wollen Sie einen eigenen Staat?“ fragte der 45-jährige Fidan den Gründer und Anführer der PKK-Guerilla in dessen Gefängnis auf der Insel Imrali bei Istanbul, wie eine regierungsnahe Zeitung meldete. Öcalan verneinte. Fidan wiederholte seine Frage, und Öcalan versicherte erneut, er strebe keinen Kurdenstaat an. Diese Zusicherung des PKK-Chefs soll den Weg für weitere Verhandlungen freigemacht haben. Fidan will demnach kommende Woche erneut auf die Gefängnisinsel reisen; gleichzeitig habe der MIT-Chef einige Mitarbeiter in den Nordirak geschickt, wo sie mit dem Rest der PKK-Führung verhandelten.

Ziel der Initiative ist ein Rückzug und ein endgültiger Gewaltverzicht der PKK. Mit dem Thema ist Fidan bestens vertraut: Vor drei Jahren nahm er, damals noch als persönlicher Gesandter Erdogans, an Geheimverhandlungen zwischen dem MIT und PKK-Repräsentanten in Oslo teil. Die Gespräche wurden abgebrochen, beide Seiten werfen sich vor, für das Scheitern verantwortlich gewesen zu sein. Fidan ist schon häufiger wegen seiner Rolle in den PKK-Gesprächen angegriffen worden. Doch zielen die Kritiker eigentlich nicht auf ihn, sondern auf seinen Mentor Erdogan, dem er seinen Aufstieg verdankt.

Der Ministerpräsident machte seinen Vertrauten im Jahr 2009 zum Vize-Geheimdienstchef; seit 2010 steht Fidan, der nach einer Karriere als Berufssoldat in Ankara Politik studierte, an der Spitze der türkischen Schlapphüte. Als die Staatsanwaltschaft den MIT-Chef im vergangenen Jahr zu einer Vernehmung vorladen wollte, ließ Erdogan rasch Gesetze verabschieden, die dies unmöglich machten.

Nun soll Fidan in Erdogans Auftrag den seit fast 30 Jahren andauernden Kurdenkonflikt lösen. Nach Presseberichten hat er sich mit Öcalan bereits auf den Rahmen für eine Einigung verständigt. Demnach soll die PKK ihre Kämpfer aus der Türkei abziehen; die PKK-Chefs im Nordirak werden ins Exil geschickt. Welche Zugeständnisse der türkische Staat im Gegenzug machen will, ist nicht bekannt. Susanne Güsten

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