Harald Martenstein : "Ich bin für Verschwendung von Geldern durch die Kirche"

Prachtvolle Kirchen, Burgen und Herrenhäuser wurden dem Volk abgepresst - aber sie sind großartig. Doch wer wird in tausend Jahren als Tourist nach Limburg kommen, um eine freistehende Badewanne für 15.000 Euro anzuschauen?

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.ddp

Ich bin für die Verschwendung von Geldern durch die Kirche. Schauen Sie sich bitte mal den Kölner Dom an. Ein extrem teures Bauwerk. Sind Sie der Ansicht, der sollte abgerissen werden? War der eine Fehlinvestition? All diese prachtvollen Kirchen, die Gemälde, die Skulpturen, tausend Jahre Abendland, Symbole von Glauben und Macht – wie ist dies alles, das wir heute bewundern, wohl entstanden? Mindestlohn wurde damals jedenfalls nicht gezahlt.

Heute kann man das nicht mehr machen. Welches verschwenderische Bauwerk hinterlassen eigentlich wir den künftigen Generationen? Vermutlich den halbfertigen Flughafen BER.

Ein Bischof für die "Bunte"

Wenn der Limburger Bischof heimlich Geld abgezweigt hätte, um ein bemerkenswertes Gebäude für seinen Gott errichten zu lassen, ein großartiges Kunstwerk, das den Glauben feiert, dann hätte er meine Sympathie. Es ging ihm aber hauptsächlich um Luxus. In seiner Eitelkeit ist der Bischof, so konservativ seine Ansichten auch sein mögen, leider eine ganz und gar moderne Gestalt, ein Bischof für die „Bunte“. Dass in tausend Jahren Touristen kommen, um sich in Limburg seine freistehende 15 000-Euro-Badewanne anzuschauen, ist unwahrscheinlich.

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1 von 12Foto: dpa
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Großartige Symbole von Herrschaft

Man sollte nicht vergessen, auf welche Weise die großen Bauwerke der Vergangenheit entstanden sind. Oft sind sie das Werk von durchgeknallten Egomanen oder sympathischen Spinnern, die irgendwie zu Macht und Geld gekommen sind. Ludwig II., König von Bayern, galt als verrückt, ein Verschwender war er bestimmt, nur deshalb gibt es heute Schloss Neuschwanstein. Schlösser, Herrenhäuser, Industriellenvillen, Dome und Burgen sind Symbole von Herrschaft, sie wurden dem Volk abgepresst – aber sie sind großartig. Gut, dass es sie gibt. Wie dürftig sieht im Vergleich oft das aus, was heute im Namen der Vernunft gebaut wird. Hinterher kostet es trotzdem drei Mal so viel wie vorher versprochen.

Der Fachbegriff für missratene Architektur heißt in Deutschland "Sparkasse"

Wo gibt es heute Geld und Macht? Zum Beispiel bei den Banken. Fällt einem ein einziges wirklich großartiges Bankgebäude in Deutschland ein, eines, dessen Rang als Kunstwerk sich mit den Kirchen und den Schlössern der Vergangenheit vergleichen ließe? Im Gegenteil. Der Fachbegriff für missratene Architektur heißt in Deutschland „Sparkasse“. Wenn man Kirchtürme und Bankentürme vergleicht, fällt auf, dass Kirchtürme sich nach außen wenden, sie werben für sich mit ihrem Schmuck, ihrer Kirchturmuhr, während Bankentürme die glatte Fassade einer Macht zeigen, die es nicht nötig hat, um Zustimmung zu werben.

Es wird jetzt viel herumgehackt auf der letzten feudalistisch geprägten Struktur in Deutschland, der katholischen Kirche. Aber eines muss man ihr zugute halten: Die Kirche hat ihr Geld sehr viel schöner verschwendet als die Banken. Es lebe der Wahnsinn!

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