Joachim Gauck : Antikommunist von Gottes Gnaden

Joachim Gauck, der wohl größte deutsche Antikommunist mit neoliberalem Einschlag, lässt sich ausgerechnet von SPD und Grünen als Präsidentschaftskandidat nominieren. Mit Naivität und Eitelkeit allein lässt sich das nicht erklären. Ein Kommentar.

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Er muss ein Kirchenmann sein, streng gottgläubig. Dann Transatlantiker, USA viel gut. Er muss auf Seiten der Vertriebenen stehen, Erika Steinbach mögen. Die Linken muss er natürlich hassen, keine rot-rot-grünen Bündnisse und so. Niemals! Stramm gegen Manfred Stolpe, Gregor Gysi und all die anderen, die sich angeblich in der DDR nur „arrangiert“ haben wollen. Und Reformen, na klar, Reformen muss er wollen, ganz viele, ganz drastisch, Gerhard Schröders Agenda 2010 über den grünen Klee loben als mutig und zukunftsorientiert. Entsprechend muss er die Montagsdemos gegen Hartz IV als „töricht und geschichtsvergessen“ kritisieren. Aktuell schließlich muss er sich beklagen über „eine vor 20 Jahren nicht vorstellbare antikapitalistische Welle in Deutschland“.

Jawoll. Dieser Mann, dieser wahrscheinlich größte deutsche Antikommunist von Gottes Gnaden mit leicht neoliberalem Einschlag, wäre ein idealer Bundespräsident – für SPD und Grüne jedenfalls. Wie bitte? Keiner lacht laut auf? Da quälen sich die Genossen langsam, aber stetig immer weiter von der Agenda 2010 weg, robben sich ebenso langsam, aber stetig immer dichter an rot-rot-grüne Bündnisse heran, fallen in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise reflexartig in den antikapitalistischen Jargon zurück – und nominieren nun als Kandidaten Joachim Gauck? Ihren mentalen Widerpart? Ihren späteren Spielverderber? Das Publikum weiß zwar, was inszeniert wird – Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin feixen sich eins, weil sie die Merkel-Regierung mit Gauck ein wenig ins Schwitzen bringen -, aber ein derart durchsichtiges Manöver sollte doch auch der Kandidat selbst zu durchschauen in der Lage sein.

Darum heißt die eigentlich interessante Frage nicht, warum SPD und Grüne Gauck nominiert haben, sondern warum Gauck sich von SPD und Grünen hat nominieren lassen. Der Kandidat weiß doch, wofür er steht und wofür seine vorgeblichen Bündnisgenossen stehen. Er weiß doch, wie schwierig jede Liaison aus Freiheit und Sozialismus ist. Stattdessen spielt er den Ahnungslosen und warnt vor einem „Parteigeschacher“ ums höchste Staatsamt. Mit Naivität und Eitelkeit allein lässt sich das nicht erklären. Vielleicht haben wir uns in Gauck getäuscht. Vielleicht steckt ausgerechnet etwas von jener Eigenschaft in ihm, die er offiziell am meisten verabscheut hat – Opportunismus.

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