Kai Ebel: : „Wenn man durchhält, wird man Kult“

Er wirkt wie ein Clown im milliardenschweren Formel-1-Business. Aber RTL-Reporter Kai Ebel macht, was er kann, und was er kann, das macht er. Ein Porträt.

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Foto: dapd
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Am Wochenende hält die Formel 1 wieder Hof in Monaco. So getunt wie die Boliden sind die versammelten Schönen und Reichen – bis auf Kai Ebel. Der offizielle „Boxenreporter“ von RTL wird auf jeden Fall Monsterkoteletten und sicherlich himmelschreiende Klamotten tragen. Mit dem Outfit kam er in dem Moment groß raus, als der Privatsender seinen Kommentatoren und Reportern in der Königsklasse des Motorsports die Kleiderwahl freigestellt hatte. Gefühlt also seit 1992, denn so lange läuft der Mönchengladbacher schon durch Boxengasse und Startaufstellung.

Kai Ebel mag für manche wie ein Clown im milliardenschweren Formel-1-Business wirken. Hört man aber seinen Interviews mit den Fahren und Verantwortlichen zu, dann kommt der Diplom-Sport nicht wie Kai aus der Kiste gesprungen, er überzeugt – anders als beim Outfit – mit Fachwissen, Einfühlungsvermögen und situativem Geschick. Und der Reporter hat den ganz großen Vorteil, dass er in dem Einerlei der Overalls auffällt, sofort erkannt wird. Nur ganz, ganz selten, dass die Helden der Piste oder die Promis daneben seinem großen Mikrofon ein Interview verweigern.

Ebel sagt zu seinem Image, wenn man das nur lange genug durchhalte, dann werde man zum Kult. „Die Leute haben dann auch irgendwann begriffen, dass die ganze Geschichte authentisch ist.“ Ebel ist der bunte Vogel, der bunte Vogel ist Ebel; eine Marke eben, die die RTL-Übertragungen mitprägt.

Der 47-Jährige mit dem schweren niederrheinischen Zungenschlag arbeitet seit 1988 beim Kölner Privatsender als Sportredakteur. Niemals als Kommentator, sondern immer als Reporter, er ist für RTL das, was ein Ulli Zelle für den RBB ist. Nur ist Ebels Auftrittsfläche schmaler: Formel 1, Boxen, Gastauftritte mal beim „RTL-Führerscheintest“, mal in der Serie „Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“.

Die Image-Werdung des Kai Ebel sollte schließlich mit dessen Kommerzialisierung verbunden werden. Er versuchte sich 2008 als Sänger, die Abverkäufe seiner Single „Sie schrei’n Ebel“ waren überschaubar, zwei Jahre später schrie der Rapper Eko Fresh mit gleichem Erfolg „Kai Ebel Style“ raus. Dem RTL-Reporter kann das egal sein. Er macht, was er kann, und was er kann, das macht er. In seinem Beruf, in der Boxengasse und am Boxring ist er in seinem Element. Das mit der Kleidung nimmt er gelassen: „Ich habe mich lediglich an der gängigen Mode orientiert.“ Ungeklärt bleibt, ob Ebels Geschmack jemals Mode war. Joachim Huber

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