Leserbriefe : Ist der Klimawandel ein Märchen?

Zur Berichterstattung über die Klimakonferenz

in Kopenhagen

Da kommen Heerscharen von hochbezahlten Politikern in Kopenhagen zusammen um 14 Tage darüber zu beraten, wie die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann. Haben die noch gar nicht bemerkt, dass in den letzten zehn Jahren die Erdtemperatur gar nicht mehr angestiegen ist und auch in den nächsten zehn Jahren nicht mehr ansteigen wird? Ist vielleicht der ganze Klimawandel durch menschengemachtes CO2 eine Ente wie seinerzeit das Ozonloch, das Waldsterben oder der Feinstaub?

Dr. Ludwig Lindner, Marl

Das Märchen vom sogenannten Klimawandel kann ich nicht mehr hören. Schwankungen bei den Temperaturen gibt es, solange es das Wetter gibt. Selbst die Wissenschaftler sind sich nicht einig, was den „Klimawandel“ angeht.

Im Endeffekt geht es bei der ganzen Klimadebatte doch nur um eines – um Geld. Und zwar um sehr viel Geld! Und das erklärt, warum das Thema so ein großes Brimborium gemacht wird.

Peter Schmitz, Berlin-Lichtenrade

Sehr geehrter Herr Dr. Lindner,

sehr geehrter Herr Schmitz,

Löcher in der Ozonschicht, tote Wälder und zu viel Feinstaub in den Städten, übrigens auch in Marl – leider sind das keine Märchen, sondern Tatsachen. Belegt durch die jahrelange Arbeit hervorragender internationaler Wissenschaftler – und bei Ozonloch und Waldsterben abgemildert durch rechtzeitiges und beherztes Eingreifen von Politik und Gesellschaft. Auch der Klimawandel ist kein Phantom der Medien, sondern Realität. Auch in Deutschland.

Viele hundert Klimaforscherinnen und -forscher des UN-Weltklimarates IPCC gehen nach vielen hundert Studien davon aus, dass sich das Klima dieser Erde bis zum Ende des Jahrhunderts ganz empfindlich ändert, wenn die Menschheit weiter wie bisher Klimagase in die Atmosphäre bläst. Gehackte E-Mails einiger Klimaforscher zum Umgang mit Klimaskeptikern schädigen momentan zwar den Ruf der ganzen Branche – doch macht das die über Jahrzehnte gewonnenen Erkenntnisse plötzlich falsch? In kaum einem Wissenschaftsfeld wird vermutlich mit so harten Bandagen gekämpft wie in der Klimawissenschaft. Wir müssen aber anerkennen, dass der Tenor der vielen hundert UN-Klimaforscherinnen und -forscher ganz klar lautet: Es gibt den Klimawandel und er ist vom Menschen gemacht. Die UN-Klimaforscher haben der Welt ihre Erkenntnisse in bemerkenswerter Offenheit zur Verfügung stellen. Jedermann kann die Berichte einsehen, mit den Daten arbeiten, sie hinterfragen und kritisch kommentieren. Wissenschaft lebt vom Hinterfragen, von der fortwährenden Präzisierung und manchmal müssen Thesen auch korrigiert werden. Die Frage ist nur: Können wir es uns leisten, den Befund zu ignorieren, dass – um den vierten UN-Klimabericht zu zitieren – der größte Teil des globalen Temperaturanstiegs „sehr wahrscheinlich“ durch den von Mensch verursachten Treibhausgasanstieg gemacht ist? Sicher nicht. Wie jeder vernünftige Hauseigentümer sich gegen den Brand versichert, der vielleicht niemals eintritt, sollte die Welt sich gegen den Klimawandel versichern. Sonst könnte es sein, dass unsere Kinder und Enkel unter unserer Untätigkeit leiden müssen. Vorsorgen ist besser als nachsorgen; und zudem auch deutlich preisgünstiger.

Seit einer Woche schaut die Welt mit großer Spannung auf den UN-Klimakipfel in Kopenhagen. Was muss diese Konferenz bringen? Nach den Rettungspaketen für insolvente Banken oder Autobauer braucht die Welt nun ein Rettungspaket für das Erdklima. Dazu brauchen wir dringend ein sachgerechtes Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft. Am Ende dieser Woche müssen die Staaten in Kopenhagen alle wichtigen Bestandteile dieses Folgeabkommens verbindlich vereinbart haben. Mit einer richtigen Weltklimapolitik sichern wir die Lebensqualität für unsere Kinder und Enkelkinder: Windräder, Solarzellen und ein rundum emissionsarmes Leben werden für sie selbstverständlich geworden sind. Kohlekraftwerke, Lkw-Kolonnen, schmutzige Luft und unseren CO2-intensiven Lebenswandel werden unsere Nachkommen als „vorsintflutlich“ belächeln.

Nehmen wir doch einmal – rein hypothetisch – an, die Klimaforscher hätten sich tatsächlich allesamt verrechnet, und es gäbe gar keinen Klimawandel: Wem würden saubere Luft und ruhigere Tage und Nächte in unseren Städten, ein ausgebautes Bahnnetz und Ausflugsmöglichkeiten ins Grüne schaden? Ich für meinen Teil würde meine Nachkommen um diese Welt beneiden.

Es ist an der Zeit, den Kampf gegen die Klimakatastrophe nicht nur als Einschränkung zu sehen, sondern als Chance für fortschrittlicheres Denken und Handeln.

Mit freundlichen Grüßen

— Jochen Flasbarth,

Präsident des Umweltbundesamtes (UBA)

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