Philipp Kadelbach: : „Wir verharmlosen nichts“

Immer wieder hat sich der Regisseur die Frage gestellt: Welche Grausamkeiten vertragen die Zuschauer? Jetzt läuft Philipp Kadelbachs Kriegsgeschichte „Unsere Mütter, unsere Väter“ im Fernsehen. Ein Porträt.

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Er kennt das Schweigen aus seiner eigenen Familie. Sein Großvater war bei der Wehrmacht. Wenn Philipp Kadelbach, Jahrgang 1974, sonntags zu Besuch kam, wollte sein Vater, ein großer Kriegsgegner, immer diskutieren. Doch sein Großvater habe bei dem Thema NS-Zeit „dicht gemacht“, sagte Kadelbach der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). Das habe er damals nie verstanden. Erst im Nachhinein.

Worüber seine Großeltern und viele Männer und Frauen ihrer Generation geschwiegen haben – und warum – das will der Regisseur jetzt mit seinem Film „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigen. Der Dreiteiler, dessen erste Folge am Sonntag im ZDF ausgestrahlt wurde und dessen weitere Teile an diesem Montag und Mittwoch folgen, erzählt anhand der Geschichte von fünf jungen Männern und Frauen über Schuld, Verrohung und die innere Zerstörung von Menschen während des Russlandfeldzugs zwischen 1941 bis 1945. „Wir verharmlosen nichts“, sagte Kadelbach der „FAS“. Schon beim ersten Lesen habe ihn das Drehbuch von Stefan Kolditz gepackt.

Kadelbach arbeitet seit vielen Jahren mit Nico Hofmann zusammen, der mit seiner Firma Teamworx „Unsere Mütter, unsere Väter“ produziert hat. Er führte Regie beim Zweiteiler „Das Geheimnis der Wale“ und „Hindenburg“, der 2011 den Deutschen Fernsehpreis als „Bester Mehrteiler“ gewann. Gelernt hat Kadelbach, geboren in Frankfurt/Main und ausgebildet an der Filmakademie Ludwigsburg, sein Handwerk als Werbefilmer. Mehr als 300 hat er gedreht. Beim Spielfilm gehe es aber immer über das Handwerkliche hinaus, so Kadelbach. Der Regisseur müsse überlegen: „Geht es den Zuschauern an Verstand und Herz?“

Mit „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist ihm dies gelungen, auch deshalb, weil dem schwierigen Thema die notwendige Zeit gegeben wurde. Vor zwei Jahren begannen die Dreharbeiten, gefilmt wurde 90 Tage in Litauen, Lettland und Deutschland, ein Jahr lang saß Kadelbach beim Schneiden des Films. Dabei habe er sich immer wieder gefragt, welche Grausamkeiten den Zuschauern zugemutet werden können. Kompromisse habe er keine gemacht: „Ich glaube nicht, dass die Härte des äußeren Geschehens den Film ausmacht, sondern die Veränderung der Figuren. Es wird schlimmer und schlimmer.“

Nun hofft er, dass „Unsere Mütter, unsere Väter“ auch junge Zuschauer erreicht. Mit seiner Familie kann er darüber nicht mehr sprechen. Vater und Großvater sind gestorben. Sonja Pohlmann

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