PORTRÄT BICE CURIGER BIENNALE-DIREKTORIN : „Licht passt gut zu Venedig“

Max Glauner
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In dieser Woche wird es hell in Venedig. „IllumiNazione, IllumiNations“ ist das Motto der 54. Biennale, die am Samstag eröffnet wird. Licht und Nation stecken in dem Motto, das Bice Curiger der Schau verpasst hat, auf der in diesem Jahr Künstler aus 89 Länder ihre Werke zeigen.

Die Schweizerin Bice Curiger ist 1948 in Zürich als Tochter eines Architekten geboren. Damit ist sie in einem Alter, in dem man noch nicht ohne Weiteres mit der Direktion der Venedig Biennale betraut wird, dem wichtigsten Treffen für zeitgenössische Kunst. Auch ihre zurückhaltende Art und die leise Stimme mit der schweizerischen Modulation passen nicht in den marktschreierischen Betrieb. Dass sie doch zu dessen ungekrönten Königinnen zählt, hat drei Gründe.

Bice Curiger hat zwar nie promoviert, aber viel veröffentlicht. Ihre Kenntnis der zeitgenössischen Kunst eignete sie sich während des Studiums der Kunstgeschichte über den Journalismus an. 1984 gründete sie die Kunstzeitung „Parkett“ mit, um eine Brücke zwischen europäischer und amerikanischer Kunst zu bauen. Kurz nach den ersten Editionen wurde „Parkett“ im Pariser Centre Pompidou ausstellungswürdig. 2004 wurde Curiger Chefin des Magazins der Tate Gallery „Tate etc.“.

Zweitens kuratiert sie bereits seit 1980 Ausstellungen. Sie ist Kuratorin am Kunsthaus Zürich, wo sie vor allem wohltemperierte monografische Ausstellungen zur Gegenwartskunst verantwortet, von Martin Kippenberger über Georgia O’Keeffe bis zu Katharina Fritsch. Sie ist eine begnadete Netzwerkerin, in diversen Gremien und Jurys von der Krupp-Stiftung bis zum Turner Prize der Tate London kann sie ihren Einfluss geltend machen.

Drittens hat sie seit jeher ein Ausnahmeverhältnis zu ihren Künstlern. Siegmar Polke zum Beispiel. Ihm widmete Curiger in Zürich Einzelausstellungen. Dass die Fenster des Großmünsters durch Sigmar Polke gestaltet wurden, sein letztes Werk, ist vor allem ihr Verdienst. Venedig nimmt sich gegen all das als Kür-Veranstaltung aus. Max Glauner