• PORTRÄT RUSH LIMBAUGH US-RADIO-MODERATOR:: „Wir wollen, dass ihr Videos online stellt“

PORTRÄT RUSH LIMBAUGH US-RADIO-MODERATOR: : „Wir wollen, dass ihr Videos online stellt“

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Er gilt als verbales Maschinengewehr der Rechten, aber im Moment sieht es so aus, als gingen Rush Limbaughs Schüsse nach hinten los. In seiner Radioshow beschimpfte der vor allem bei älteren weißen Konservativen populäre Moderator eine Jurastudentin der Georgetown University in unflätiger Weise als Schlampe. Die 30-jährige Aktivistin Sandra Fluke hatte sich dafür eingesetzt, dass die Kosten für Verhütungspillen von den Krankenkassen übernommen werden sollten. Der notorische Sinnverdreher Limbaugh legte das so aus, dass die Studentin „Geld für Sex“ haben wolle, und dass der Steuerzahler dann auch verlangen könne, dass sie die Videos online stelle, damit alle etwas davon hätten.

Mit solchen Hasstiraden wird der prominente Unterstützer der Republikaner langsam zum heimlichen Wahlhelfer für Barack Obama, denn seine Attacken auf die Studentin lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Werbekunden stiegen aus dem Programm aus, und neben Demokraten kritisierten auch Republikaner den Moderator und distanzierten sich von dem „Unterhaltungskünstler“. Der musste sich schließlich bei der jungen Frau entschuldigen.

Mit seinen Äußerungen entfachte Limbaugh auch eine Debatte über konservative Werte, die nach Ansicht von Kommentatoren den Super Tuesday überschattete. Zu offensichtlich hat der Hassprediger an niedrige Instinkte appelliert und übersehen, dass damit nicht der demokratische Gegner getroffen wird, sondern vor allem urkonservative Werte verletzt werden wie Anstand und Gerechtigkeit.

Limbaugh begann seine Karriere 1967 in seiner Heimatstadt Cape Girardeau in Missouri. In seiner Familie gab es viele Juristen, der Großvater starb mit 104 Jahren und war bis zum Schluss als Anwalt aktiv. Die Uni verließ er nach zwei Semestern, Erfolg hatte er erst im Radio. „The Rush Limbaugh Show“ wird seit 1988 landesweit ausgestrahlt und erreichte 2005 mit 14 bis 20 Millionen Zuhörern pro Woche eine Rekordquote in den USA. Dem Clear Channel, der seinen Vertrag 2008 bis 2016 verlängerte, waren die politisch unkorrekten Polemiken immerhin 400 Millionen Dollar wert.

Seine drei Ehen scheiterten aber, und er geriet selber ins Kreuzfeuer der Kritik, als Medikamentenabhängigkeit bekannt wurde. Neben Umweltschützern, Frauenrechtlerinnen und Homosexuellen waren auch Drogensüchtige öfter ein genüsslich anvisiertes Ziel seiner Attacken. Elisabeth Binder

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