Rosario Crocetta: : „Jetzt kann die Mafia einpacken“

31.10.2012 00:00 Uhrvon
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Er ist homosexuell und jagt die Mafia. Nun ist Rosario Crocetta Präsident von Sizilien. Ein Porträt.

Der Palazzo d’Orléans in Palermo, der Sitz der Regionalregierung Siziliens, wird gelegentlich auch als „heimliches Hauptquartier der Cosa Nostra“ bezeichnet. Nicht ganz ohne Grund: Sieben der letzten acht Präsidenten sind wegen ihrer Nähe zu den Paten hinter Gittern gelandet. Das gleiche Schicksal könnte auch den letzten „presidente“, Raffaele Lombardo, ereilen. Gegen ihn wird ermittelt. Sein Sturz im Juli war der Grund für die vorzeitigen Neuwahlen am vergangenen Wochenende. Nun wird der 61-jährige Rosario Crocetta vom links-moderaten Partito Democratico in das stuckverzierte Büro des Regionalpräsidenten einziehen. Sein erster Satz nach dem Wahlsieg war: „Jetzt kann die Mafia die Koffer packen.

Das sind nicht nur große, sondern auch gefährliche Töne in Sizilien. Crocetta, der seit Jahren unter Polizeischutz lebt, weiß das nur zu gut. In der Kleinstadt Gela an der Südküste Siziliens, aus der er stammt, hatte Crocetta 2003 erstmals nationale Schlagzeilen gemacht. Der damalige Kommunist und bekennende Homosexuelle wurde im katholischen Macho-Revier Sizilien zum Bürgermeister gewählt. Gela galt als eine der schlimmsten Mafia-Hochburgen auf der Insel. Crocetta entließ die Frau eines bekannten Mafiabosses aus dem Gemeindedienst, auch der mit der Cosa Nostra verbandelte Präsident des Fußballklubs musste gehen. Das trug ihm ein Todesurteil ein. Schon in seinem ersten Amtsjahr verhinderte die Polizei in letzter Minute ein Attentat, zwei weitere in den Jahren danach.

Crocetta zeigte sich damals überzeugt davon, dass die Mutter Gottes ihre schützende Hand über ihn gehalten habe. Der neue Präsident Siziliens ist tief religiös, seit Jahrzehnten arbeitet er in seiner Pfarrei Santa Lucia in Gela als Freiwilliger in der Altenpflege. Als in seiner Zeit als Bürgermeister wieder einmal halb tote Bootsflüchtlinge an den Strand gespült wurden, hat er ein kurz zuvor geborenes Somalierkind symbolisch adoptiert.

Als Regionalpräsident wird Crocetta Kompromisse machen müssen. Die ihn unterstützende Koalition aus PD und UDC erhielt bei den Wahlen nur 30 Prozent der Stimmen. Ein unschöner Kompromiss war schon die Koalition als solche: Die UDC stellt bezüglich Mafianähe alle anderen sizilianischen Parteien in den Schatten. Das sind keine optimalen Voraussetzungen für das große Aufräumen im Palazzo d’Orléans. Aber vielleicht hilft die Madonna ja noch einmal ein wenig nach. Dominik Straub

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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