Schreibmaschinen im Kreml : Schreiben im Geheimen

Wie war das noch mal mit den Schreibmaschinen? Die sind jetzt wieder schwer im Kommen. Der Kreml hat gerade 20 Schreibmaschinen geordert - als ersten Schritt zur Umstellung und als Sicherheitsmaßnahme gegen Wikileaks und Agenten wie Edward Snowden und gegen Transparenz.

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Sie machen krach, sind aber Abhörsicher: Schreibmaschinen.
Sie machen krach, sind aber Abhörsicher: Schreibmaschinen.Foto: dpa

Wie war das noch damals mit diesen Maschinen? Klobig waren sie, auch wenn sie Adler hießen. Es gab sie auch mit dem Namen Olympia, die waren weniger klobig, die waren auch auf Reisen zu gebrauchen. Aber wie, wie gebrauchte man sie?

Wenn die Erinnerung nicht trügt, setzte man sich davor, oder dahinter, das war eine Frage des Standortes. Auf jeden Fall, so, dass man vor sich die Walze sehen konnte, zwei Walzen, zwischen die man ein Blatt klemmte. Es gab einige Hebel, mit einem konnte man die Walzen nach links schieben, und wenn der Mechanismus funktionierte, und das tat er meistens, drehten sich die Walzen dabei, zogen dabei das Blatt hinten in sich rein und vorne schoben sie es wieder raus. Immer nur ein Stück.

Das Beste an diesen Maschinen aber waren die Tasten, einzelne Tasten, auf die man drücken konnte. Und dann kam aus dem Inneren der Maschine eine kleine Stange hoch, wenn man die Taste mit ein wenig Schwung und Anlauf gedrückt hatte, schnellte das Stänglein regelrecht hoch und patschte mit seiner Spitze auf das Blatt. Und auf dem war anschließend ein Buchstabe zu sehen.

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Vorausgesetzt das Farbband war noch frisch. Jetzt muss man wieder erklären was Farbband ist. Das waren Rollen mit Bändern aus Leinen, die mit Farbe, eine Hälfte mit schwarzer Farbe, die andere mit roter Farbe, imprägniert waren. Und die schoben sich zwischen Blatt und Stänglein und druckten auf diese Art den Buchstaben. Man konnte mit diesen Maschinen also Buchstaben auf Papier drucken, man konnte damit schreiben, weswegen diese Maschinen Schreibmaschinen hießen. Diese Art des Schreibens erinnert ein bisschen an die heutige am Computer, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Es gab noch ein paar Dinge rund um diese Schreibmaschinen, Kohlepapier zum Vervielfältigen zum Beispiel, echt wahr, das gab es, oder Tipp- Ex, damit konnte man das Geschriebene wieder löschen.

Und jetzt ist die Schreibmaschine wieder schwer im Kommen. Glaubt man nicht? Der Kreml, der Amtssitz des russischen Präsidenten, hat laut der regierungsnahen Zeitung „Iswestija“ gerade 20 Schreibmaschinen geordert, als ersten Schritt zur Umstellung und als Sicherheitsmaßnahme gegen Wikileaks und Agenten wie Edward Snowden und gegen Transparenz. Ein Treppenwitz der Geschichte. Oder: Die technische Revolution frisst ihre Kinder samt Festplatte. Man sollte sich rechtzeitig umschauen, ob und wo es noch Schreibmaschinenkurse gibt.

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