Stellenabbau bei RWE : Wie die Energiekonzerne die Politik erpressen

Eon und RWE drohen der Politik mit Entlassungen und machen dafür die Energiewende verantwortlich. In Wirklichkeit aber gestehen sie damit ihr Versagen ein.

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Morgengrauen? Dämmerung? Die nächsten vier Jahre sind für die Energiewende entscheidend.
Morgengrauen? Dämmerung? Die nächsten vier Jahre sind für die Energiewende entscheidend.Foto: dpa

Auch ein großer Energiekonzern muss kräftig aufstampfen, soll sein Anliegen nicht im allgemeinem Gemurmel der Koalitionsverhandlungen untergehen. So donnert es jetzt bei RWE, Deutschlands zweitgrößtem Energiekonzern aus Essen: Man werde in den nächsten zwei Jahren 6750 Stellen streichen, 4750 davon in Deutschland, heißt es. Das wären insgesamt 13 000 Jobs seit 2011, also seit Fukushima, seit dem Atomausstieg, seit den Beschlüssen zur Energiewende. Der etwas größere Konkurrent Eon aus Düsseldorf kommt für den Zeitraum auf 11 000 Jobstreichungen.

Stellenabbau: Das ist – sagen sich die Chefs der beiden Megaversorger wohl – das einzige Wort, das wirklich alle Politiker von rechts bis links noch verstehen. Da liegen sie wohl nicht ganz falsch. Und doch sollten die möglichen Großkoalitionäre in spe unter dem Eindruck solcher Zahlen nicht einfach diesem Druck nachgeben und den Fahrplan der Energiewende in der Art umschreiben, dass sich die Branchengrößten am wenigsten bewegen müssen. Energiewende bedeutet: Alle müssen sich drehen, wenn unsere Energieversorgung sauberer, moderner, effizienter, unabhängiger und – langfristig gesehen – bezahlbar werden soll.

Die Energiewelt schien in Ordnung – bis Fukushima kam

Die privaten und gewerblichen Verbraucher strecken sich schon länger. Seit drei bis vier Jahren steigen ihre Stromrechnungen – auch, aber nicht allein, wegen der Ökostromumlage. Und zwar so stark, dass es auch die Haushalte der Mittelschicht deutlich zu spüren bekommen. Aber was machten die Versorger derweil? Unvergessen ist, wie Jürgen Großmann, bis Sommer 2012 RWE-Chef, nach dem Start der schwarz-gelben Koalition 2009 um die Kanzlerin herumtänzelte. Es folgte der Ausstieg vom Atomausstieg, die gute alte Energiewelt schien in Ordnung – bis Fukushima kam.

Stromfresser im Haushalt
In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen. Grundsätzlich sind Induktionsfelder besser als Ceran-Felder: Ein Topf mit fünf Liter Wasser braucht auf einem Ceranfeld doppelt so lange, bis er erhitzt ist, und benötigt ein Drittel mehr Strom. Der Tipp: Immer den passenden Topf auf's passende Feld stellen. So geht keine Energie verloren. Ebenso: Deckel drauf!Alle Bilder anzeigen
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08.04.2014 11:47In der Küche sind Kühlschrank und Herd die schwierigsten Kandidaten. Gerade beim Herd kann viel Energie verloren gehen....

Seither ist nicht mehr viel passiert. Die führenden Versorger bekannten sich zwar artig zur Energiewende, schienen aber darauf zu lauern, dass diese Wende doch noch einen etwas leichteren Dreh bekommt. Einen, bei dem sie ihr Geschäftsmodell fortsetzen können, bei dem sie keinen Ballast über Bord werfen müssen.

Nun stellt sich die Schuldfrage

Wer Energie erzeugt und selbst verkauft, hatte schon immer quasi eine Lizenz zum Gelddrucken. Und das klappte sogar noch besser nach der Liberalisierung der Strommärkte ab Mitte der 1990er Jahre. Da mussten die Vorstände dieser Aktiengesellschaften nämlich weniger Rücksicht auf Lokalpolitiker nehmen und konnten sich auch mal von defizitären Geschäftsteilen trennen. Seither sind sie nur noch den Aktionären verpflichtet. Und die sind nun enttäuscht, müssen es sein. Der Wert ihrer Anteile hat sich im Falle von RWE in den vergangenen Jahren halbiert.

Nun stellt sich die Schuldfrage. Es ist nur menschlich, dass Johannes Teyssen (Eon) und Peter Terium (RWE) auf die noch amtierende Bundesregierung verweisen. Die macht es den Managern leicht, weil sie sich tatsächlich als unfähig erwies, in irgendeiner Hinsicht verlässliche Rahmenbedingungen auf dem Strommarkt zu schaffen. Insofern ist es gut, wenn Union und SPD die angekündigten Stellenstreichungen ernst nehmen. Sie sollten sich davon aber nicht erpressen lassen.

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