Meinung : Stoibers Misstrauensvotum Von Axel Vornbäumen

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Vielleicht wird Angela Merkel in ein paar Jahren mal preisgeben, was sie damals, im Herbst 2005, tiefer verletzt hat – jenes krawallige „Sie werden es nicht!“ Gerhard Schröders aus der legendären Elefantenrunde am Abend der Bundestagswahl oder doch eher Edmund Stoibers hastige Berliner Fahnenflucht bei der ersten sich bietenden Gelegenheit. Beides war stillos, auf unterstem Niveau. Doch wo sie Schröders präpotentes Gehabe zur Not noch als fortgesetztes Wahlkampfgetöse an sich abperlen lassen kann, zielt Stoibers Rückzieher tiefer, denn er rührt am Nerv: Edmund Stoiber hat Angela Merkel das Misstrauen ausgesprochen; es ist ein Stempel, gültig für alle Zeiten, und das noch vor Beginn ihrer Regentschaft, sollte es überhaupt dazu kommen. Deutlicher könnte die Botschaft des CSUChefs an die Vorsitzende der Schwesterpartei nicht sein: „Sie können es nicht!“

Und er? Kann er es denn? Nein, wohl nicht. Dem Mann, der so viel Wert auf Augenhöhe legt, fehlt es an Augenmaß und Überblick; Führungskräften indes sollte das zu eigen sein, in Krisensituationen zumal. Doch Stoiber hat stattdessen ein Chaos angerichtet bei seinem kruden Intermezzo an der Spree, an die er gekommen ist mit Rückfahrkarten gleich im Dutzend billiger in der Tasche. Zu Hause, in München, da hat er eine CSU zurückgelassen, unsicher und in Aufruhr, ob sie sich denn nun schon mal um seine Nachfolge Gedanken machen soll – oder, nein, lieber nicht. En passant hat er mit Erwin Huber und Günther Beckstein zwei wackere Nachfolgekandidaten nach Kräften desavouiert – es war ihm egal. Und in Berlin hat er sich vom Kabinettstisch die Filetstückchen nach seinem Geschmack servieren lassen, ohne Rücksicht auf den Rest der Union und mit erheblichen Folgen für die Statik der Koalition. Als das erledigt war, begann er schon wenig später an Merkels künftiger Richtlinienkompetenz zu rütteln.

Nun schließt sich der Kreis. Zwar wird Franz Müntefering im künftigen Merkel-Kabinett mittun – doch Stoiber fehlt das Protokollelement, ihm fehlt Müntefering als SPD-Chef. Nun endet sein Egotrip dort, wo er begonnen hat – in München. Wird alles wieder wie früher? Nix da. Schon sagen die Ersten laut, was viele in der CSU bislang nur dachten: Er geht uns auf den Senkel!

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