Südafrikanische Journalistin Haffajee : Schwarz-Weiß-Denken am Kap

Südafrikas erste Chefredakteurin, Ferial Haffajee, steht in der Kritik: Sie soll ihre Redaktion rassistisch führen und "schwarze Sichtweisen" verhindern. Die Frau wehrt sich mit besonderer Argumentation.

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Für die drei schwarzen Nachrichtenredakteure der Johannesburger Sonntagszeitung „City Press“ ist der Fall klar: Ihre renommierte Chefredakteurin Ferial Haffajee, die erste Frau am Kap in einer solchen Position, ist eine verkappte Rassistin. Begründet wird dies mit der Vielzahl kritischer Artikel, die das Blatt und allen voran dessen weißer Starjournalist Adriaan Basson in den letzten Jahren über den südafrikanischen Staatschef Jacob Zuma geschrieben hat. So hatte „City Press“ als erste Zeitung gemeldet, dass Zuma rund 25 Millionen Euro an Steuergeldern in seine private Residenz im Zululand gesteckt habe – ein Skandal, der sogar seine Präsidentschaft gefährden könnte.

Für die in Südafrika hoch angesehene Haffajee, die sich in 25 Jahren von der Volontärin bis in die Chefetage hochgearbeitet hat und seit 2009 die „City Press“ führt, haben die Redakteure mit ihrem Angriff eine rote Linie überquert. Die ansonsten auf Harmonie bedachte Journalistin war über die Breitseite derart empört, dass sie ihre mehr als 70000 Twitter-Fans und mit ihnen die ganze Nation an dem Redaktionsstreit teilhaben ließ. Wutentbrannt beschuldigt sie nun ihrerseits die Redakteure eines „kulturellen Überlegenheitsdünkels“.

Südafrika - Apartheid, Struggle, Freedom
Bob Gosani: Hochverratsprozess, Ende Runde eins. Mandela boxt auf dem Dach eines Zeitungshauses in Johannesburg.Alle Bilder anzeigen
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02.06.2010 13:53Bob Gosani: Hochverratsprozess, Ende Runde eins. Mandela boxt auf dem Dach eines Zeitungshauses in Johannesburg.

Empört ist Haffajee auch über den Vorwurf, sie habe es versäumt, einen schwarzen Nachrichtenredakteur anzustellen, der angeblich nützlich wäre, Geschichten aus einer „schwarzen Perspektive“ zu erzählen. „Ich wehre mich nachdrücklich gegen die rassistische Ansicht, nur ein schwarzer Redakteur könne wertvolle politische Nachrichten durch Anrufe bei schwarzen afrikanischen Politikern bekommen“, entgegnete sie. „Dies liegt auch daran, dass ich mich selbst als schwarz definiere und mir von euch keine Identität aufzwingen lasse.“

Die 46-Jährige war nach den alten Einteilungen der Apartheid als indisch eingestuft. Im Widerstandskampf wurden in ANC-Kreisen jedoch alle nicht-weißen Südafrikaner, also auch Inder, wegen der ebenfalls erfahrenen Benachteiligung als schwarz eingestuft. Dies hat sich zuletzt stark verändert. Haffajee ist die Tochter indischstämmiger Textilarbeiter und wuchs in einfachen Verhältnissen in Bosmont auf, einem rassisch gemischten Township bei Johannesburg. „Ich wurde mit der Überzeugung groß, eine Schwarze zu sein, weil meine beiden älteren Brüder mich früh über das Konzept des schwarzen Bewusstseins aufgeklärt haben“, sagte sie einmal.

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