Meinung : Was für ein Start!

„Hochzeit mit Trauermarsch“ vom 2. Juli

Die große Mehrzahl aller Mitglieder der bisherigen BTU Cottbus hält deren Fusion mit der Hochschule Lausitz (FH) für schädlich für die Region und das Hochschulwesen. Sie sollen dieses Projekt nun zum Erfolg führen!

Begründet wird die Fusion mit beschönigenden Schlagworten und dem Hinweis auf ein kritikwürdiges Gutachten, das Teile der „Kuh“ als mager bezeichnet, aber – anders als der Wissenschaftsrat im Jahr 2002 – keinen Bezug zu deren Mangelernährung herstellt. Dabei konnte die BTU ihre Forschungsbilanz seit 2002 deutlich verbessern, obwohl in dieser Zeit die Zahl der Studierenden von 4600 auf 7000 gestiegen, die der Mittelbaustellen drastisch gesunken und inzwischen jede vierte Professur wegen einer Besetzungssperre des Ministeriums nur noch eine Gastprofessur ist oder vertreten wird. Nun hat die Kuh eine darbende Ziege an die Seite bekommen, damit sie mehr Milch produziert („Universität“)!

Die anhängigen Verfassungsbeschwerden richten sich gegen das Vorgehen und gegen das Fusionsgesetz selbst, das nach Auffassung der Kläger die Wissenschaftsfreiheit und die Hochschulautonomie verletzt. Es sollte hellhörig machen, wenn eine funktionierende Universität geschlossen und im nächsten Moment neu gegründet wird, damit das zuständige Ministerium seine Vorstellungen durchsetzen kann! Bemerkenswert ist, dass das BverfG bei seiner Ablehnung des Antrags auf einstweilige Anordnung dem obrigkeitsstaatlichen Eingreifen Grenzen aufzeigt. Der vom Ministerium eingesetzte Beauftragte, der nun für ca. ein dreiviertel Jahr die neue Hochschule leiten soll, dürfe keine „wissenschaftsrelevanten Entscheidungen“ treffen, da bei seiner Einsetzung die Hochschullehrenden nicht beteiligt worden seien. An einer Universität betrifft das die meisten Entscheidungen.

Prof. Dr. Rembert Reemtsen (im Namen der 11 Mitglieder des Ex-Senats

der BTU Cottbus)

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