Fahrbericht Dacia Duster 4x4 1.5 dCi 110 : Nicht nur billig

Der Dacia Duster 4x4 ist nicht nur ein Preisbrecher. Er sieht auch ganz flott aus. Stellt sich die Frage, ob er auch hält, was er optisch verspricht. Wir sind dem auf den Grund gegangen.

Selbstbewusster Auftritt: Der Dacia Duster 4x4 gibt sich optisch ganz stilecht mit breiter Brust, Unterfahrschutz und Dachreling. Er zeigt direkt: Ich kann nicht nur billig.
Selbstbewusster Auftritt: Der Dacia Duster 4x4 gibt sich optisch ganz stilecht mit breiter Brust, Unterfahrschutz und Dachreling....Foto: promo

Billig ist auch nicht alles, hat man sich wohl bei Renault gesagt. Die wiederbelebte Marke Dacia ist für die Franzosen ein voller Erfolg geworden, seitdem man mit dem Logan 2005 als erste Neuentwicklung eingestiegen ist. Der große Erfolg kam aber mit der Absatzkrise 2008/09, als die Abwrackprämie die günstigen Dacia-Modelle zu wahren Schnäppchen machte. Heute beläuft sich die Modellpalette von Dacia auf ganze sechs verschiedene Modelle. Die rumänische Marke mit französischem Herzen bietet die Kleinwagen Sandero und Logan, den  Van Lodgy, den Hochdachkombi Dokker und das SUV Duster an. Funktioniert denn die günstige Alternative auch im SUV-Segment? Schauen wir mal genauer hin.

Außen und Innen

Vom spröden Charme des ersten Logan hat der Duster, der 2010 in erster Generation auf den Markt kam sicher nichts mehr. Geradezu kräftig steht er auf den Rädern, zeigt sich vorne und hinten mit Unterfahrschutz und hat eine Bodenfreiheit von 21 Zentimeter. Gut, der Unterfahrschutz entpuppt sich als Plastikverkleidung, aber dennoch ist der Duster mehr Geländewagen als die meisten gängigen SUV. Die markante Dachreling gibt es sogar serienmäßig und der Motor lässt sich als Extra mit Aluminiumblechen schützen.

Mit 4,31 Metern ist der Dacia Duster tatsächlich noch recht kompakt. Mit einer Höhe von 1,69 Meter inklusive Dachreling und einer Breite von glatten zwei Metern mit Außenspiegeln wird er auch in der Stadt kaum Probleme machen. Dafür bietet er ausgesprochen kurze Überhänge von jeweils nur 82 Zentimeter von den Achsen aus gemessen. Umgekehrt ergibt das einen Radstand von 2,67 Meter. Vielversprechend für den Innenraum, diese Werte.

Sitzen und Laden

Und die Erwartungen werden nicht enttäuscht. Im Dacia Duster sitzt man hoch und geräumig. Gut, in der Breite ist er etwas enger geschnitten als mancher anderer SUV, aber der Unterschied ist marginal. Dafür ist die Beinfreiheit auch im Fond beachtlich. Erwachsene sitzen hier recht gut und bis zu einer Größe von zwei Metern dürfte es sicherlich keinen Kontakt mit dem Fahrzeughimmel geben. Ausreichend bequem sind die vorderen Sitze ausgefallen. Auf langen Fahrten wird das Gestühl zwar etwas hart, aber alles in allem passt das schon.

Billig wirkt der Dacia Duster im Innenraum höchstens auf den ersten Blick. Der Armaturenträger aus Hartplastik ist angesichts des niedrigen Preises fast schon obligatorisch. Aber die Kunststoffe sind auf den zweiten Blick doch besser als sie aussehen. Vor allem aber ist der Dacia Duster sauber verarbeitet und leistet sich keine gröberen Fehler. In unserem Testfahrzeug mit der höchsten Ausstattungslinie Prestige sitzt in der Mittelkonsole gar ein sieben Zoll großes Touchscreendisplay, was allerdings zu tief montiert ist. Das macht die Bedienung doch etwas umständlich.

Plastik ist fast zwangsläufig das vorherrschende Material im Innenraum des Dacia Duster 4x4. Dennoch ist die Verarbeitung sauber.
Plastik ist fast zwangsläufig das vorherrschende Material im Innenraum des Dacia Duster 4x4. Dennoch ist die Verarbeitung sauber.Foto: promo

Ansonsten findet man sich aber im Dacia Duster schnell zurecht. Die Mittelkonsole ist durch das zentrale Display übersichtlich, die Regler für die manuelle Klimaanlage selbsterklärend und auch auf dem Lenkrad beschränkt sich die Auswahl auf zwei Bedienelemente für den Tempomaten. Die Bedienelemente für die Audioanlage sind auf einem eigenen Bedienstock hinter dem Lenkrad montiert. Da ist der Dacia Duster ganz Renault. Markenfremde müssen sich da vielleicht erst mal dran gewöhnen, aber nach kurzer Zeit weiß man diese Logik schon zu schätzen.

Ein SUV ist bekanntlich nicht unbedingt ein Lademeister. Doch auch hier kann der Dacia Duster überraschen. Mindestens 443 Liter passen hinter die Rückbank. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel ein VW Golf (380 Liter) schlucken kann und auch einen artverwandten Peugeot  2008 (365 Liter) kann der Duster schlagen. Allerdings ist die Ladekante relativ hoch. Auf rund 70 Zentimeter muss der Einkauf schon gehoben werden. Auch das ist zwar bauartbedingt, doch die Kiste Wasser wird da für manche schon buchstäblich zum Kraftakt. Dafür bringt es der Dacia Duster schon im Normalzustand auf eine Tiefe von fast einem Meter. Wird die Rückbank umgeklappt, dann passen sogar 1,76 lange Gegenstände rein. Der Beifahrersitz ist hingegen nicht klappbar, auch nicht gegen Aufpreis. Dann werden es übrigens 1663 Liter an Volumen, die der Duster freigibt.

Fahren und Tanken

Die Kombination von 110 PS und Allradantrieb hört sich zugegebenermaßen nicht besonders prickelnd an. Das könnte aber gerade das Geheimnis des Erfolgs sein, denn der Dacia Duster ist erst mal ein Tiefstapler. Und dann kann er nämlich überraschen. So lahm, wie sich die Beschleunigung von 0 auf 100 in 12,6 Sekunden anhört ist er nämlich gar nicht. Dank ordentlichen Drehmoment von 240 Newtonmeter zieht er sich ganz gut aus dem Drehzahlkeller und bei auch die 150 km/h auf der Autobahn erreicht der Duster ganz locker. Dann wird es allerdings tatsächlich dünn, was einem Auto mit einer angegebenen Spitzengeschwindigkeit von 168 km/h wirklich zu verzeihen ist.

Der Allradantrieb für den Dacia Duster hat sich Renault bei seinem Partner Nissan bestellt. Drei Fahrmodi sind im Angebot. Entweder man entscheidet sich, meist wohl aus ökonomischen Gründen, für den reinen Frontantrieb oder man lässt das Fahrzeug im Modus Auto selbst entscheiden, wann die Antriebskräfte auch auf die Hinterachse geleitet werden. Schließlich kann noch über den Modus Lock ein permanenter Allradantrieb eingeschaltet werden.  Bei feuchten Straßen empfiehlt es sich zumindest den Auto-Modus zu wählen, da Allrad hier ein echter Sicherheitsgewinn ist. Den permanenten Antrieb von vier Rädern braucht es nur im Gelände oder bei schwierigen Straßenbedingungen, wie etwa einer geschlossenen Schneedecke. Da zeigen sich allerdings auch die Qualitäten, welche die Nissan-Technik mitbringt.

Der Nutzwert des Dacia Duster 4x4 ist recht ordentlich. Allerdings ist die geteilte Rückbank nicht Serie und die Ladekante ist etwas hoch.
Der Nutzwert des Dacia Duster 4x4 ist recht ordentlich. Allerdings ist die geteilte Rückbank nicht Serie und die Ladekante ist...Foto: promo

Vor allem aber gleicht der Antrieb aller vier Räder das etwas müde Handling des Dacia Duster aus. In diesem Auto muss eine konventionelle Servolenkung genügen, was sich bei Lenkreaktion und Präzision bemerkbar macht. Wird scharf eingelenkt, dann bringt die verhältnismäßig straffe Federung die nötige Stabilität in die Fuhre. Im Frontantriebsmodus neigt der Dacia Duster zum braven Untersteuern, was das Auto stets berechenbar bleiben lässt. Im Allradmodus hingegen ist der Grenzbereich deutlich ausgedehnt. Das sollte man aber nicht überreizen, denn die Karosse arbeitet durch Einknicken in den Kurven kräftig mit.

Mit 5,2 Litern steht der Dacia Duster 4x4 mit Allrad im Prospekt. Der Aufschlag zum rein frontangetriebenen Bruder mit gleichem Motor beträgt 0,4 Liter. Diese Werte sind in der Realität natürlich nicht zu erreichen. Aber bei reiner Stadtfahrt genehmigte sich unser Duster 8,8 Liter, was immer noch ein ordentlicher Wert ist. Allerdings war das Auto meist ohne Allrad unterwegs. In der Summe unserer Testfahrten kamen wir auf einen durchschnittlichen Konsum von 7,8 Litern, was alles in allem in Ordnung geht. Waren wir handzahm unterwegs, dann schaffte es der Duster laut Bordcomputer auch unter die Marke von sechs Litern.

Hören und Sehen

Wer bei Dacia bestellt, der muss sich nicht allzu viel Gedanken über zusätzliche Assistenzsysteme machen. Beispiel gefällig? Das Funktionspaket besteht aus Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern vorne und Seitenairbags. Das ist bei anderen dann doch eher Serie. Aber wir sprechen vom Preisbrecher im Segment und so kann man selbst das dem Dacia Duster verzeihen. Um es kurz zu machen: Es gibt ein Navi, das einfach seinen Dienst tut und eine ordentlich lesbare Karte in annehmbarer Auflösung zeigt, es gibt ein Audiosystem mit Bluetooth und es gibt akustische Parksensoren, allerdings nur hinten. So einfach kann die Auswahl sein. Das Verrückte ist, dass man dennoch kaum etwas vermisst. Ganz nach Dacia-Manier reduziert auch der Duster Autofahren auf das Wesentliche. Und das passt dann auch.

Warum es hinten Parksensoren gibt erschließt sich beim Blick in den Rückspiegel. Aus der Heckscheibe sieht man bei den meisten SUV nichts, aber beim Dacia Duster noch weniger. Daher sind die Piepser (350 Euro in Verbindung mit Tempomat) gut angelegtes Geld. Auch schräg nach hinten sind die Fenster schmal und konkav geschnitten, was die Sicht hier ebenfalls beeinträchtigt.

Wählen und Zahlen

Alles ist relativ im Leben und so dürfte es einige geben, die den Grundpreis von 17 890 Euro nicht mehr als billig ansehen. Dennoch ist der Dacia Duster 4x4 in seinem Segment mit Abstand das günstigste Auto. Zum Vergleich: Ein Skoda Yeti kostet mit gleich starkem Diesel 22 130 Euro, ein Suzuki SX-4 kommt auf 21 690 Euro und ein Peugeot 2008 kommt mit ähnlicher Motorisierung auf 22 800 Euro. Und dabei haben alle drei noch keinen Allradantrieb an Bord. Für den Peugeot gibt es auch gar keinen.

Mit einem Einstiegspreis von 17 890 Euro ist der Dacia Duster 4x4 der absolute Preisbrecher in seiner Klasse.
Mit einem Einstiegspreis von 17 890 Euro ist der Dacia Duster 4x4 der absolute Preisbrecher in seiner Klasse.Foto: promo

Dafür ist die Serienausstattung auch recht überschaubar. Mit der Überarbeitung zu Beginn letzten Jahres wurde ESP zur Serienausstattung. Das ist auch gut so. Den Dacia Duster 4x4 gibt es nur mit der zweiten Ausstattungslinie Lauréate, bei der unter anderem die Audioanlage, die geteilt umlegbare Rücksitzbank und beheizbare Außenspiegel inklusive sind. Wer 800 Euro drauflegt bekommt die Prestige-Ausführung mit Navi , Leichtmetallfelgen im 16-Zoll-Format und Lederpolster dazu. Ansonsten spart sich Dacia viel Gedöns auf der Sonderausstattungsliste.

Gutes und Schlechtes

Die größte Stärke des Dacia Duster 4x4 ist sicherlich sein Preis. Ein SUV mit ganz passablen Geländefähigkeiten gibt es für weniger als 20 000 Euro sonst nirgends. Dabei ist jedoch Verzicht einkalkuliert. So ist der Innenraum puristisch und lässt sich auch nicht sonderlich aufrüsten. Gleiches gilt für die Technik. Wer damit leben kann, der bekommt ein ordentliches Auto mit weitgehend unauffälligen Fahreigenschaften, das auch noch ganz passabel aussieht. Was will man eigentlich mehr? Stimmt, da gäbe es vielleicht doch noch ein paar Dinge. Aber wer aufs Budget achten will oder sollte, der ist mit dem Dacia Duster ganz gut bedient.

Stärken

Günstiger Preis

Einfache Bedienung

Ordentlicher Allradantrieb

Schwächen

Einfache Materialien

Geringe Serienausstattung

Mäßiges Handling


Konkurrenz

Peugeot 2008

Opel Mokka

Skoda Yeti

Technische DatenDacia Duster 4x4 1.5 dCi 110
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)

4,32/1,82/1,1,63 Meter

Leergewicht

1395 Kilogramm

Kofferraumvolumen normal/Rückbank umgelegt

443 / 1636 Liter

Maximale Zuladung

490 Kilogramm

Sitzplätze5
Tankvolumen

50 Liter

Motor

Commonrail-Diesel-Motor mit Direkteinspritzung und Abgasturbolader

Hubraum

1461 Kubikzentimeter

Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung (kW/PS)

80 / 109

Drehmoment

240 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen/Min

Beschleunigung 0 - 100 km/h

12,9 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

168 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)

5,7/5,0/5,2 Liter

Verbrauch im Test

7,8 Liter

Typklassen (KH/VK/TK)

15/20/19

Preis als Basisfahrzeug

17 890 Euro

Preis des Testwagens

ca. 19 500 Euro

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