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Unterwegs mit dem Lada Niva : Der Unbeugsame

28.03.2013 11:32 Uhrvon
Gemacht für die sibirische Tundra, unterwegs im brandenburgischen Winter: Der Lada Niva stellt sich da nicht an. Foto: Markus MechnichBild vergrößern
Gemacht für die sibirische Tundra, unterwegs im brandenburgischen Winter: Der Lada Niva stellt sich da nicht an. - Foto: Markus Mechnich

Sie mögen radargesteuerte Notbremssysteme oder Massagesitze? Dann lesen Sie nicht weiter, denn dieses Auto ist nichts für Sie. Von solchen Mäzchen ist der Lada Niva in etwa so weit entfernt wie der amerikanische Erdnussfarmer von der Mondlandung.

Im Jahr 1976 starb Mao Zedong und ein gewisser Steve Jobs gründete mit Steve Wozniak eine Firma namens Apple. Sowas nennt mal wohl Zeitenwende. Während der Tod des großen chinesischen Kommunistenführers das Ende der Kulturrevolution markierte begann mit Apple eine andere, eine digitale Zeitenwende, deren Strahlkraft sich erst rund 25 Jahre später so richtig bemerkbar machen sollte. Außerdem lief in der Wolga-Stadt Toljatti, 1000 Kilometer südöstlich von Moskau, der erste Lada Niva vom Band.

Angesichts seines bewegten Geburtsjahres ist dieses Modell eher Fels im Strom der Gezeiten, denn mit Revolution hatte dieses Automobil noch nie was am Hut. Nahezu unversehrt dem Sozialismus entronnen stemmt es sich noch heute, wie so manch Unbelehrbarer aus sozialistischen Zeiten, immer noch den Fluten des Kapitalismus entgegen. Nicht mal die Angriffe des us-amerikanischen Erzfeindes durch General Motors in den neunziger Jahren haben den Lada Niva vom Markt fegen können. Sein Nachfolger heißt Chevrolet Niva und steht selbst in Russland wie Blei in den Verkaufsräumen. Nein, der Niva bleibt wie er ist und das ist das Beste, was den Kunden passieren kann.

Grundausbildung für Landwirtschaftstechniker

Und um es gleich vorweg zu nehmen, das Auto ist noch heute eine Sensation. Einfach weil es so anders ist als der ganze automobile Mainstream, der einen so umspült. Der Niva ist so bestechend einfach konstruiert, das ihn heute noch jeder ordentliche KFZ-Mechaniker (Nein, das ist kein Tippfehler, ich meine einen Mechaniker, keinen Mechatroniker mit der Lizenz zum Austauschen) mit den entsprechenden Ersatzteilen in wenigen Stunden reparieren könnte. Nahezu alle, die in der ehemaligen DDR ihre Technik-Studium absolviert haben, verdienten ihre ersten Sporen ohnehin meist mit einem Lada Niva.

Permanenter Allradantrieb, zweistufiges Verteilergetriebe und eine Geländeuntersetzung reichen dem Lada Niva für fast alle Lebenslagen. Foto: Markus MechnichBild vergrößern
Permanenter Allradantrieb, zweistufiges Verteilergetriebe und eine Geländeuntersetzung reichen dem Lada Niva für fast alle Lebenslagen. - Foto: Markus Mechnich

So einer ist Jürgen Wenzel, der uns auf dem ADAC-Gelände in Linthe bei unserer Geländefahrt begleitet. „Ich habe in der DDR Landwirtschaftstechnik studiert und am Lada Niva mein Handwerk gelernt“, entgegnet er auf die Frage, welche Beziehung er zu dem automobilen Fossil hat. Damals wurde er noch Vierzylindern mit 1,3 beziehungsweise 1,5 Liter Hubraum gebaut. Die hatte er vom Lada 1500, einem der optisch bekanntesten Automobile aus der damaligen Sowjetunion, geerbt. 1995 kam das eigentlich einzige große Facelift für den Lada Niva. Mit diesem zog ein 1,7 Liter großer Otto-Motor ein. Diesel gab es im Lada Niva nur für kurze Zeit und dann auch nur als Peugeot-Motor. Wer im sibirischen Winter mobil bleibe möchte kann keinen Diesel gebrauchen. Was sind östlich des Urals schon Minus 25 Grad? Unser Diesel friert dann bereits locker ein.

ABS und Euro 5

Mit dem großen Facelift von 1995 bekam der Lada Niva ein neues Armaturenbrett, einen neuen Tacho und ein Lenkrad mit Pralltopf. Außerdem wurde das Heck neu gezeichnet und so die Ladekante tiefer gelegt. Ansonsten blieb alles beim Alten, vor allem optisch. Selbst bei der Überarbeitung widersetzte sich der Niva dem Drang der Branche nach unentwegter Erneuerung. Das letzte „kleine“ Facelift im Jahr 2010 brachte lediglich größere Blinker und kleinere Änderungen an den Aufhängungen vorne und hinten. Seit zwei Jahren hat der Veteran unter den Geländewagen sogar ABS an Bord und der Motor schafft die Euro-Norm 5. Allerdings ist die Technik des 1,7 Liter großen und 83 PS starken Aggregats immer noch alles andere als aktuell. Zwei Ventile pro Zylinder müssen reichen und auch die Multi-Einspritzung von Bosch konnte den Verbrauch nur teilweise senken. Mit 9,5 Liter in der Norm ist er immer noch zu hoch.

Dank ordentlicher Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und verschränkbaren Achsen kommt der Lada Niva auf dem Offroad-Parcours in Linthe gut zurecht. Der für Geländewagen klassische Leiterrahmen fehlt dem Russen allerdings. Foto: Markus MechnichBild vergrößern
Dank ordentlicher Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und verschränkbaren Achsen kommt der Lada Niva auf dem Offroad-Parcours in Linthe gut zurecht. Der für Geländewagen klassische... - Foto: Markus Mechnich

Konsequent gegen den Strom der Innovation und beharrlich auf seine Stärken ruhend blickt der Lada Niva also gelassen dem ganzen SUV-Boom entgegen. Im Gegensatz zu den weichgespülten Vollplastik-Kisten heutiger Bauart, die schon auf einem vom Regen unterspülten Feldweg kapitulieren, ist der Lada Niva wirklich fähig im Gelände. Beispiele gefällig? Seine Wattiefe beträgt 65 Zentimeter. Damit ist er in der Nähe der 70 Zentimeter eines Land Rover Defenders, die der edle Brite aber nur mit einem hochgepumpten Luftfahrwerk zustande bringt. Ein Audi Q7 bringt es selbst mit Luftfederung nur auf 53 Zentimeter. Theoretisch! Einen Kippwinkel von 48 Grad mag man sich beim Dickmann aus Ingolstadt gar nicht vorstellen und auch die Steigfähigkeit von 58 Prozent testet man mit den allermeisten SUVs besser nicht.

Unschlagbar im Preis

Auf dem Offroad-Parcours des ADAC in Linthe fühlt sich der Lada Niva jedenfalls wie zu Hause. Ist er ja auch, denn der Autoclub hat für seine Trainings drei der russischen Alleskönner eingekauft. „Die Ladas sind wegen dem kurzen Radstand und der hohen Bodenfreiheit sehr gut für das Off-Road-Gelände geeignet“, sagt Trainer Jürgen Wenzel. Vor allem bieten sie sehr gute Geländefähigkeit zu einem unschlagbaren Preis. Alle Autos, die ähnlich gut Off-Road können, wie zum Beispiel die Mercedes G-Klasse oder der Land Rover Defender, kosten ein Vielfaches eines Lada Nivas.

Und dann kommt noch der Charme des Ehrlichen hinzu. Schon das Reinsetzen in die wohlkonturierten Sitze offenbart Basic statt Luxus. Der lange, dürre Arm des Schalthebels streckt sich dem Fahrer entgegen, darunter finden sich die Schalthebel für das Verteilergetriebe und das Mittendifferenzial. Wenn der Schlüssel links neben dem Lenkrad in das Schloss gesteckt wird kommt sogar etwas Porsche-Feeling auf. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit dieser so gegensätzlichen Marken.

Treue Fangemeinde

Der späte Winter des Jahres 2013 hat uns Ende März noch mal reichlich Schnee auf dem Testgelände in Linthe beschert. Da fühlt sich der Niva wie in seinem Element, fast wie in der russischen Taiga. Und er wühlt sich durch den tiefen Graben unter der Brücke durch, schiebt sich am Hang entlang und verschränkt sich ordentlich im Wassergraben. Nur die Steigungen dürfen wir heute nicht hoch. Das ist Trainer Jürgen Wenzel dann doch zu gefährlich mit der wochenlangen Eisesglätte. Aber auch so hat der Lada Niva seine Fähigkeiten bewiesen.

Wie ein Reh huscht er durchs Gelände. Auf der Straße ist der Lada Niva mit seinen 83 PS eher ein gemächlicher Zeitgenosse. Foto: Markus MechnichBild vergrößern
Wie ein Reh huscht er durchs Gelände. Auf der Straße ist der Lada Niva mit seinen 83 PS eher ein gemächlicher Zeitgenosse. - Foto: Markus Mechnich

Immerhin knapp 1500 Exemplare des Lada Nivas wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. Für eine Exotenmarke wie Lada ist das kein schlechter Wert. Zumal der Importeur in Buxtehude mit dem Rest der Modelle auf gerade mal 150 Autos kommt. Dennoch hat das Modell zahlreiche Fans und der Gebrauchtwagenmarkt ist ziemlich leer gefegt. Wer einmal einen Niva bekommen hat gibt ihn in der Regel nicht mehr her. Im Internet pflegt die Interessensgemeinschaft Lada Niva den Kult um den Russen-Jeep. Dort sind zahlreiche regionale Klubs organisiert. Außerdem hat der Niva sogar sein eigenes Wiki, wo nahezu jede Schraube erklärt wird.

Wer die Zielgruppe ist zeigt ein Blick in das erhältliche Zubehör. Hier finden sich Dinge wie ein Hundetrittschutz, Gewehrhalter oder ein Wildträger für die Anhängerkupplung. Das bestätigt auch Jürgen Wenzel: „Das Fahrzeug wird in der Region viel von Förstern und Jägern genutzt. Das finden unsere Kunden toll.“ Und bei Lada gibt es für die Waidmänner sogar zehn Prozent Nachlass auf den Listenpreis. Und der liegt so schon bei bescheidenen 9990 Euro. Billiger geht Gelände wirklich nicht.

Stärken:

Günstiger Preis, ordentliche Geländefähigkeiten, günstig in er Unterhaltung

Schwächen:

Nur eine Motorisierung, kein ESP verfügbar, verhältnismäßig hoher Verbrauch

Service

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