E-Mountainbike im Test : Mit dem Pedelec auf der Suche nach Umwegen

Die elektrische Hilfe kommt auch im Sport immer mehr auf Touren - eine kleine Testfahrt mit einem modernen E-Mountainbike, das jede Rampe lässig meistert.

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Kein Berg zu steil: Mit dem Focus Jarifa Impulse lässt sich so manch ambitionierter Radfahrer gehörig unter Druck setzen.
Kein Berg zu steil: Mit dem Focus Jarifa Impulse lässt sich so manch ambitionierter Radfahrer gehörig unter Druck setzen.Foto: promo

Dieser Anstieg hier ist ein echter Sauhund. Nicht allzu lang, aber elend steil. Wenn man dann oben ist beginnen links und rechts wunderbare leicht wellige Mountainbikestrecken, aber man muss eben erst mal hoch. Ein Rennradler hastet an mit vorbei, die Kette ruckt ächzend auf die leichten Gänge, der Mann geht aus dem Sattel in den Wiegetritt. Auch ich spüre, dass der Widerstand in den Pedalen größer wird, deutlich größer. Den siebten von zehn Gängen lasse ich aber trotzdem noch stehen. Da ist ja noch dieser Knopf mit dem schönen blauen Pluszeichen links am Lenker. Im Moment hilft mir mein elektrischer Zusatzantrieb noch in der kleinsten Stufe, „Eco“ genannt. Eine sanfte Berührung auf das Plus und im Display des Radcomputers erscheint „Sport“, noch eine, jetzt leuchtet „Power“ auf. Ich drücke den dicken Gang was ich kann und das Radel macht fast einen Satz nach vorne - und das bei 15 Prozent Steigung.

Sekunden später fege ich an dem Rennradler vorbei, der mich ansieht, als hätte er eine Erscheinung, einen bösen Traum, oder beides. „Was ist das denn?“, schnaubt er. Ich würde ihm ja gerne antworten, bin aber schon zu weit weg. Das hier ist ein Mountainbike mit Zusatzantrieb, ein so genanntes Pedelec, das die Kraft des Fahrers elektrisch unterstützt. Tritt der Fahrer mau, arbeitet das Motörchen sparsam, tritt er rein, ist Tango. Mit Tempo knapp 20 einen 15-prozentigen Anstieg hoch - das geht. Oben pumpe ich dann allerdings am Anschlag, der Puls rast, aber ich wollte es eben wissen. Halb so schnell, als etwa der Rennradler, rollt es auch im Steilen so entspannt, dass es jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubert, der es einmal ausprobiert.

Elektrisch unterstützt geht einiges

Keine Frage - war das E-Bike bisher eher etwas für Menschen, die gemütlich und mit wenig Krafteinsatz schweißfrei zur Arbeit oder ein bisschen spazieren fahren wollten, kommt der Motor nun auch im Sport an. Nicht so sehr bei Rennradlern, die scheuen neben Grundsätzlichem (unsportlich, unmännlich, unmöglich) das hohe Gewicht von Motor und Batterie. Aber im Gelände sind E-Bikes im Kommen. Und die Diskussion, ob man das nun gut finden darf, scheint keine zu sein. Ein großes Fachmagazin hat seine Leser gefragt. Knapp 60 Prozent (über 5000 Stimmen!) erklärten, dass der elektrische Rückenwind die Zukunft sei und Spaß mache, nur sieben Prozent senkten erschreckt den Daumen und grummelten: Geht ja gar nicht.

Das Focus Jarifa Impulse kommt zur nächsten Saison auf den Markt und wird um die 3000 Euro kosten.
Das Focus Jarifa Impulse kommt zur nächsten Saison auf den Markt und wird um die 3000 Euro kosten.Foto: promo

Dabei geht elektrisch unterstützt einiges - nicht nur verdutzte Rennradler abhängen. Nein, man kommt rum, mit Motor wird der Radius deutlich größer und man fährt auch mehr. Seit das Ding in der Garage steht bin ich ständig auf der Suche nach Umwegen, um noch ein wenig das Gefühl zu genießen, dass kein Anstieg zu steil ist. Die Sorge plötzlich mit leerem Akku weitab vom Schuss und Handynetz zu versauern, ist übrigens unbegründet. Nach 43 Kilometern mit Stufe 3 (Power) im welligen Gelände zeigte der Akku immer noch mehr als 50 Prozent an.

Der Motor schafft Gleichheit

Auf jeden Fall macht die Technik eine ganz andere Art des Fahrens möglich. Cruisen im Wald, geht es geradeaus oder bergab, bekommt der Motor Pause, bergauf kann man entweder den Puls unten lassen und trotzdem oben ankommen oder sich im dicken Gang das Herz in den Hals fahren - dann sprintet das Radel aber derart bergauf, dass man vor Kurven locker lassen muss. Kein Witz. Daneben wird das Rad schnell zum Kumpel im Alltag. Ausgestattet mit Steckschutzblechen gegen Spritzwasser ist das Bike Garant für einen staufreien Alltag. Mal eben noch ein Brot fürs Abendessen holen, spontan in die Kneipe oder ins Schwimmbad - kein Problem. Auf der Straße braucht es natürlich keine Federung, Geländereifen oder Scheibenbremsen, aber schaden tut es auch nicht.

Dazu schafft der Motor beziehungsfreundliche Gleichheit. Paare mit ganz unterschiedlichem Leistungsniveau können wieder zusammen fahren, wenn der Schwächere einen Motor am Rad hat. Aber obacht an alle Stahlwaden - ein modernes E-Mountainbike schiebt bergauf derart, dass der vermeintlich Schwächere fast immer schneller sein kann, als der Trittmeister. Richtig Spaß macht das Rad natürlich vor allem im Gelände. Den Regler auf Power und dann gib ihm. Nach zehn Minuten sucht man förmlich Steigungen und bergab geht es dann auch rasant, weil das Velo durch Motor und Akku natürlich schwerer ist, als normale Mountainbikers. Mein Rad wiegt 22,5 Kilo. Das ist schon ein Wort und das sollte einem beim Bremsen auch bewusst sein. Dafür liegt das Bike aber auch satt auf dem Untergrund.

Weiter geht es im Wald. Vor mir taucht eine Gruppe Biker auf - motorlos. Ich rolle im Flachen ein Stück hinterher, dann geht es hoch. Die Radler hören auf sich zu unterhalten. Je länger der Anstieg dauert, desto lauter wird ihr Atmen. Ich trete immer noch entspannt, könnte locker schneller fahren, aber wozu. Plötzlich entdeckt mich einer - und den Motor. „Macht das denn Spaß?“, keucht er mit skeptischem Blick. Nun ja, sagen wir mal so: Durchaus. Also nicke ich, sage artig „Auf Wiedersehen“, schalte auf Power und zeige mal kurz, was in dem Bike steckt. Die Radler sind beeindruckt - und ich dann mal weg.

Gut zu wissen: Tippsund Tricks

Akku:

Die Li-Ion Akkus mit 17 Amperestunden und 250 Watt Leistung können immer nachgeladen werden. Es gibt keinen Memoryeffekt, das heißt die Kapazität wird nicht kleiner, wenn man dauernd nachlädt. Was der Akku aber nicht verträgt, ist lange Zeit fast leer zu sein. Das schadet, also eher öfter laden.

Sinnvolles Zubehör: Steckschutzbleche gegen Spritzwasser für den Alltag, eine Klingel, weil man doch oft sehr schnell ist, und vor allem ein gutes Schloss, da gutes Rad teuer und damit auch für Diebe interessant ist. Unser Testrad Focus Jarifa Impulse soll bei der Markteinführung diesen Winter knapp 3000 Euro kosten.

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