Vater des Opfers befragt ehemaligen Verfassungsschützer Andreas T.

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Update
106. Tag im NSU-Prozess : Die Bombenbastler des NSU
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Welches Leid der NSU auch in anderen Städten angerichtet hat, war am Dienstag im Prozess wieder einmal hautnah zu spüren. Am Nachmittag befragte der Vater des im April 2006 in Kassel erschossenen Halit Yozgat den früheren Verfassungsschützer Andreas T. Der bestreitet, etwas von dem Mord mitbekommen zu haben. In dem von Halit Yozgat betriebenen Internetcafé hatte Andreas T. am Tattag gechattet, mutmaßlich auch zur Tatzeit. Die Geschichte hat viel Wirbel verursacht und nährt auch heute noch bei Anwälten der Nebenklage und in einem Teil der Medien den Verdacht einer unheimlichen Nähe zwischen Verfassungsschutz und NSU.

Vater Ismail Yozgat glaubt jedenfalls nicht, Andreas T. habe, als er gehen wollte, den am tischförmigen Tresen liegenden, sterbenden Halit nicht wahrgenommen. „Haben Sie nicht nach meinem Sohn gesehen, als Sie die 50 Cent bezahlten wollten?“, fragte der Vater mit lauter Stimme. Andreas T. reagierte auch diesmal wie bei seinen vier Auftritten als Zeuge zuvor.

Andreas T. sei „fast vorlaut, mit einer gewissen Rotzigkeit“ aufgetreten

Er habe nichts gesehen, beteuerte der Ex-Verfassungsschützer, „ich konnte nicht ahnen, dass so was Entsetzliches passiert war, dass ich unter dem Tisch gesucht hätte“. Vater Yozgat stellte dann nach einer Viertelstunde keine weiteren Fragen mehr. Andreas T. verließ den Gerichtssaal. Der Zeuge sei „fast vorlaut, mit einer gewissen Rotzigkeit“ aufgetreten, klagte anschließend der Hamburger Anwalt Thomas Bliwier. Er vertritt mit Kollegen die Familie Yozgat. Dass Andreas T. aus Sicht der Nebenklage-Anwälte stur die Unwahrheit sagt, lasten sie auch dem hessischen Verfassungsschutz an.

Andreas T. erhalte von seinem früheren Arbeitgeber „jede Rückendeckung“, sagte Bliwier. Im Prozess war allerdings auch herausgekommen, dass Andreas T. nach dem Mord einen Kollegen belogen hatte. Der hatte mit Andreas T. im April 2006 über die Tat gesprochen und ihn gefragt, ob er das Internetcafé kenne. Andreas T. habe verneint, sagte der frühere Verfassungsschutzkollege in der vergangenen Woche im Prozess. Die Ungereimtheiten im Fall Andreas T., so scheint es, werden auch am Oberlandesgericht München nicht zu klären sein. Der 6. Strafsenat entließ Andreas T. am Dienstag als Zeuge. Nach seinem fünften Auftritt kann er wohl für sich den NSU-Prozess abhaken.

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