70 Jahre nach Hiroshima : Wer die Atombombe hat, hat die Macht

Die fünf Atommächte bestimmen die Geschicke der Welt. Schon deshalb versuchen Staaten immer wieder, an die Bombe zu kommen.

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Auch Russland präsentiert bei Militärparaden wie hier im Frühjahr 2015 gerne seine Atomraketen.
Auch Russland präsentiert bei Militärparaden wie hier im Frühjahr 2015 gerne seine Atomraketen.

Die Atombomben der USA auf Japan im August 1945 haben die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt. Die fünf Atommächte, die bis heute ein Vetorecht im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen haben, beschlossen, diese Macht zu begrenzen. Wer vor 1946 über die Atombombe verfügte, sollte Atommacht bleiben dürfen. Für alle anderen gab und gibt es den Atomwaffensperrvertrag, der die weitere Verbreitung der nuklearen Massenvernichtungswaffen verhindern sollte. Gleichzeitig wurde mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) eine Organisation aufgebaut, die die zivile Atomenergie weltweit verbreiten sollte. Die Doppelbotschaft ist damals verstanden worden, und sie wird bis heute verstanden: Wer die Atombombe besitzt, sitzt am Tisch der Mächtigen und wird ultimativ ernst genommen. Und wer Atomenergie hat, kann auch die Bombe haben.

Auch Israel ist Atommacht - gibt das aber nicht zu

Der Atomwaffensperrvertrag hat jedenfalls weder Indien noch Pakistan daran gehindert, sich die Atombombe zu verschaffen. Die beiden jahrzehntelang verfeindeten Nachbarn haben sich auch mittels Atomwaffen so weit hochgerüstet, dass sie weit mehr als die beiden südasiatischen Länder damit zerstören könnten. Er hat auch Israel nicht daran gehindert, zur Atommacht zu werden, auch wenn das von offizieller Seite in Israel bis heute nicht zugegeben wird. Und er hat Nordkorea nicht daran gehindert, die Welt mit seinen Versuchen, ebenfalls Atommacht zu werden, in zweifelhafter Weise zu unterhalten.

Ein paar Staaten haben sich aber dann doch noch spät dem Atomwaffensperrvertrag angeschlossen und von sich aus auf die Macht der totalen Zerstörung verzichtet. Dazu gehören Brasilien, Argentinien und Südafrika oder auch Kasachstan nach dem Ende des Kalten Krieges. Ob der Vertrag den Iran dauerhaft daran hindern wird, doch noch zur Atommacht aufzusteigen, wird die Praxis des gerade ausgehandelten Kompromisses zum iranischen Atomprogramm weisen müssen.

So anachronistisch es im 21. Jahrhundert ist, so stabil steht die Post-Atombomben-Nachkriegsordnung fest. Eine Anpassung der Macht im UN-Sicherheitsrat an die neuen Realitäten scheitert schon am Veto der fünf alten Atommächte: USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien. Und damit geben sie bis heute das klare Signal an die Welt: Nur wer Atomwaffen besitzt, hat die Macht, Einfluss auf die Welt auszuüben.

Wirtschaftlich hat sich die Atomenergie nie gelohnt

Eine wachsende Gruppe von Nichtatomwaffenstaaten ist aber zunehmend unzufrieden damit, dass die fünf Atommächte ihr Waffenarsenal modernisieren, anstatt es zu verkleinern und dann abzuschaffen. Im amerikanischen Verteidigungsetat ist ein beträchtlicher Posten dafür vorgesehen, die alten atomaren Sprengköpfe durch neue, noch zerstörerischere zu ersetzen. Russland hat sich wie die USA nur darauf eingelassen, Atomwaffen, für die es keine rechte Verwendung mehr gibt, zu zerstören. Das nennt sich dann Abrüstung. Und der stetig anschwellende chinesische Verteidigungsetat enthält ebenfalls Mittel für die atomare Modernisierung. Die französische und die britische Flotte von Atomkraftwerken samt Neubaubeschlüssen ergibt auch nur noch in Verbindung mit den militärischen Atomanlagen einen Sinn. Denn wirtschaftlich hat sich die Atomenergie nie gelohnt. Das gilt erst recht unter den gegenwärtigen Marktbedingungen in den Strommärkten der Welt.

Es ist zu befürchten, dass es bei Appellen bleibt

Dreimal haben sich mehr als 100 Nichtatomwaffenstaaten zu Weltkongressen der sogenannten Humanitären Initiative versammelt, um die Atommächte dazu zu bewegen, ihr tödliches Arsenal zur Disposition zu stellen. Die Initiative ist von der österreichischen Regierung ausgegangen. In Norwegen, Mexiko und Österreich haben die ersten drei Konferenzen dieser Humanitären Initiative stattgefunden. Das Ziel der Initiative, die unter anderem auch von den Ärzten gegen den Atomtod (IPPNW) unterstützt wird, ist die Ächtung von Atomwaffen. Die Folgen des Atomwaffeneinsatzes seien „unter dem humanitären Völkerrecht inakzeptabel“. Sie müssten wie alle anderen Massenvernichtungswaffen wie Chemie- oder biologische Waffen geächtet werden. Bisher ist allerdings nicht absehbar, dass das zu mehr als letztlich wirkungslosen Appellen führen wird. Denn weder die neuen noch die alten Atommächte diskutieren in diesem Forum bisher mit.

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