Afghanistan : Zahl der Terroranschläge steigt vor den Wahlen

Kurz vor der Präsidentenwahl in Afghanistan steigt die Zahl der Terroranschläge. Am Sonntag starb ein rumänischer Soldat bei einem Sprengstoffattentat in der Nähe von Kabul. Fünf weitere Soldaten wurden verletzt.

Afghanische Polizisten patrouillieren in Kabul (Bild: dpa)
Afghanische Polizisten patrouillieren in Kabul (Bild: dpa)Foto: AFP

Vor der Wahl des neuen Präsidenten nimmt die Zahl der Anschläge in Afghanistan zu. Während einer Patrouillenfahrt ist am Sonntag ein rumänischer Soldat bei einem Sprengstoffattentat von Unbekannten getötet worden. Fünf weitere Soldaten wurden verletzt. Das teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit.

Der Anschlag sei auf der Autobahn zwischen Kabul und Kandahar, etwa 10 Kilometer südwestlich des Militärstützpunkts Mescall verübt worden, nahe der Grenze zu Pakistan. Rumänien beteiligt sich seit dem Jahr 2002 mit rund 1000 Soldaten an internationalen Einsätzen in Afghanistan. Dabei wurden insgesamt 23 rumänische Soldaten getötet und rund 130 verletzt.

Taliban verüben in einer Woche zwei Anschläge auf Wahlbehörde

Am Wochenende griffen Taliban die Zentrale der Wahlbehörde im Osten der Hauptstadt Kabul an. Die Aufständischen schossen von einem Nachbarhaus auf das Gebäude, teils mit Panzerfäusten. Nach Angaben der Polizei wurden alle fünf Angreifer von Sicherheitskräften getötet. Die Mitarbeiter der Wahlbehörde hatten sich in Schutzräumen in Sicherheit gebracht.

Der scheidende Präsident Hamid Karsai machte in Anspielung auf das benachbarte Pakistan „ausländische Nachrichtendienste“ von Verbündeten der USA in der Region für die Welle der Gewalt verantwortlich. In einem Telefonat mit US-Außenminister John Kerry warf der Präsident Washington vor, nicht genügend gegen diese gezielte ausländische Einmischung zu tun, wie Karsais Büro am Sonntag mitteilte.

Nach Polizeiangaben wurden bei dem fünfstündigen Gefecht am Samstag auch zwei Polizeibeamte verletzt. Über den Ablauf gab es widersprüchliche Angaben. Erste Angaben der Polizei, wonach ein Selbstmordattentäter zunächst vor dem Eingangstor des schwer bewachten Geländes eine Autobombe zündete, wurden später vom Innenministerium dementiert. Ein Ministeriumssprecher sprach - anders als die Polizei - von „vier bis fünf“ Angreifern.

Hamid Karsai ist seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 Präsident Afghanistans.
Hamid Karsai ist seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 Präsident Afghanistans.Foto: dpa

Taliban wollen Wahl sabotieren

Es war bereits die zweite Attacke auf Büros der Wahlbehörde in nur einer Woche. Bei der ersten waren am Dienstag neun Menschen getötet worden. Die Taliban bekannten sich auch zu dem neuen Angriff. Die
radikalen Islamisten hatten angekündigt, die Wahl zu sabotieren.

Die Afghanen wählen am 5. April den Nachfolger von Präsident Karsai, der laut Verfassung nicht ein drittes Mal antreten darf. Er regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. In der neuesten Umfrage vom Wochenende lag der frühere Finanzminister und einstige Weltbank-Ökonom Aschraf Ghani in der Gunst der Wähler mit 27,1 Prozent vorn, gefolgt von den beiden Ex-Außenministern
Abdullah Abdullah (24,6) und Salmai Rassul (8,0).

Nato-Einsatz läuft dieses Jahr aus

Die Wahl ist die letzte, bevor der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan Ende des Jahres ausläuft. Ob es zu der geplanten Folgemission zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte kommt, ist weiterhin ungewiss. (dpa)

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