• Alternative für Deutschland fordert Ende von Hilfskrediten: AfD-Chef Bernd Lucke: "Europa kann am Euro scheitern"

Bei der Bundestagswahl hofft die AfD auf ein zweistelliges Ergebnis

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Alternative für Deutschland fordert Ende von Hilfskrediten : AfD-Chef Bernd Lucke: "Europa kann am Euro scheitern"
Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke (50) wurde beim Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland Mitte April zum Sprecher des Vorstands gewählt. Zum Sprechertrio gehören außerdem die Unternehmerin Frauke Petry (37) und der Publizist Konrad Adam (71). Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke (50) wurde beim Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland Mitte April zum...Foto: REUTERS

Wie wollen Sie verhindern, dass bei einem Auseinanderbrechen des Euro die Idee der europäischen Einigung beschädigt wird?
Die europäische Idee leidet doch gerade jetzt, denn der Euro spaltet Europa in einen stagnierenden Südteil und in einen noch prosperierenden Nordteil. Die Spannungen zwischen den Völkern nehmen zu und die Ressentiments wachsen. Europa kann am Euro scheitern, das ist die Wahrheit. Andererseits ist der Euro doch nur ein gemeinsames Zahlungsmittel. Wir haben schon viele ambitionierte europäische Projekte gehabt, die gescheitert sind, ohne dass die EU dabei Schaden davongetragen hätte. Denken Sie an die Europäische Verteidigungsgemeinschaft oder die Europäische Verfassung.

Haben Länder wie Griechenland eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden?
Nur mit einer eigenen Währung. Und auch dann werden die Griechen nicht zu kleinen Deutschen werden, wie es der Bundesregierung offenbar vorschwebt. Wenn es der griechischen Mentalität entspricht, dass man die Dinge etwas langsamer und entspannter angehen möchte, als wir das in Deutschland tun, dann ist das das gute Recht der Griechen. Sie werden dann nicht soviel Einkommen erwirtschaften wie wir. Aber ich bin auch nicht der Auffassung, dass das Glück der Menschen ausschließlich vom Einkommensniveau abhängt.

Welche Chancen rechnen Sie sich für die Bundestagswahl aus?
Angesichts der enormen Welle an Zustimmung, die wir zurzeit kriegen, halte ich es für möglich, dass wir bis in den zweistelligen Bereich kommen können.

Wären Sie dann bereit, eine Koalition mit Union und FDP einzugehen?
Wir koalieren mit keiner Partei, die die bisherige Euro-Rettungspolitik fortsetzen will. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass CDU und FDP ihre Haltung innerhalb von Tagen um 180 Grad drehen. Wenn die AfD erfolgreich ist und den anderen Parteien viele Wählerstimmen abjagt, werden die Altparteien sich schon aus strategischen Überlegungen unseren Positionen annähern. Das wird ihnen erleichtert, weil ihre bisherige Argumentation ja auch sachlich auf völlig tönernen Füßen steht.

Machen Sie mit Ihrer Partei nicht viel eher eine große Koalition oder Rot-Grün wahrscheinlicher?
In der Euro-Politik gibt es ohnehin schon eine informelle große Koalition, insofern würde sich da faktisch kaum etwas verändern. Rot-Grün wiederum halte ich für sehr unwahrscheinlich, denn nach allem, was wir aus Meinungsumfragen wissen, hat die AfD auch Zuspruch aus dem linken Lager. Es ist davon auszugehen, dass auch Rot-Grün an uns Stimmen verliert.

Wie wichtig ist Ihnen die Abgrenzung zu Rechtsextremisten und was unternehmen Sie, damit keine Schnittmenge entsteht?
Es ist uns sehr wichtig, dass wir uns zu Extremisten jeder Art abgrenzen. Wir wollen keine Antisemiten in unseren Reihen haben, keine Rassisten und keine Ausländerfeinde. Wir haben ganz klare Vorstandsbeschlüsse, die in solchen Fällen einen Parteiausschluss vorsehen. Natürlich ist es ein Problem einer jungen Partei, dass sie Protestpotenzial anzieht. Am Wochenende hatten wir erstmals den Fall, dass wir ein Parteimitglied ausgeschlossen haben, das uns eine NPD-Mitgliedschaft verschwiegen hatte. Das sind aber absolute Einzelfälle.

Das Gespräch führten Fabian Leber und Moritz Schuller.

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