Alterssicherungsbericht : Der Riester-Boom ist vorbei

Nur noch 200 000 Neuabschlüsse im ersten Halbjahr 2012 – und jeder fünfte Sparer zahlt in seinen Rentenvertrag nichts mehr ein.

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Immer mehr Menschen sorgen zusätzlich fürs Alter vor – so lautet die beruhigende Botschaft derer, die das Niveau der gesetzlichen Renten weiter absenken wollen. Sie hat jedoch drei Schönheitsfehler. Erstens: Im ersten Halbjahr 2012 gab es erstmals deutlich weniger Neuabschlüsse von staatlich geförderten Riester-Verträgen als in den Jahren zuvor. Zweitens: Fast jeder fünfte der mittlerweile knapp 15,6 Millionen Riester-Sparer zahlt in seinen Vertrag inzwischen gar nicht mehr ein. Und drittens: Unter den Geringverdienern, bei denen es im Alter besonders knapp wird, haben 42 Prozent weder eine Riester-Vertrag noch eine betriebliche Altersversorgung.

All dies ist dem aktuellen Alterssicherungsbericht der Bundesregierung zu entnehmen, der zwar noch nicht förmlich veröffentlicht wurde, aber zur Begleitmusik für die Koalitionsverhandlungen zum Thema Rentenreform gehört. Mitsamt seinem Appell, „dafür zu sorgen, dass sich Lebensleistung und private Vorsorge auch für Geringverdiener lohnt und damit entsprechende Anreize gesetzt werden“.

Dabei birgt das 263-seitige Werk durchaus Überraschendes. So ist ihm zu entnehmen, dass mehr Frauen (72,1 Prozent) als Männer (70,6 Prozent) zusätzlich fürs Alter vorgesorgt haben. Während die betriebliche Altersvorsorge unter Männern deutlich verbreiteter ist (45,6 Prozent gegenüber 31 Prozent), liegen Frauen bei Riester-Verträgen klar vorne (38,2 Prozent gegenüber 32,6 Prozent). Und erstaunen mag es manchen auch, dass das Riestern in Ostdeutschland beliebter ist als im Westen. Allerdings sind Betriebsrenten in den Ost-Ländern weit seltener, so dass dort, insgesamt betrachtet, unter den 25- bis 65-Jährigen 35,1 Prozent über keinerlei zusätzliche Vorsorge verfügen. In Westdeutschland sind das nur 27,2 Prozent.

Wenig überraschend ist auch der Befund, dass die Bereitschaft oder die Möglichkeiten zu zusätzlicher Altersvorsorge mit dem Einkommen zunehmen. Von denen, die im Monat auf 4500 Euro brutto und mehr kommen, sind nur 13,8 Prozent ohne Zusatzabsicherung. In der Gehaltsklasse von 1500 bis 2500 beträgt die Quote bereits 36 und bei den absoluten Geringverdienern satte 42 Prozent. Das sind knapp 1,8 Millionen von gut 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ähnlich die Zusammenhänge beim Blick auf den Bildungsstand. Befragte mit Hochschulabschluss haben zu 79 Prozent zusätzlich vorgesorgt. Bei Bürgern ohne Berufsabschluss liegt die Quote bei lediglich 55,2 Prozent.

Die Zulagen fürs Riester-Sparen indessen gehen häufig auf die richtigen Konten. Von den Geförderten kommt fast die Hälfte (47,3 Prozent) nicht auf ein Jahreseinkommen von 20 000 Euro. Im Schnitt flossen pro Kopf jährlich 843 Euro in diese Art der Altersvorsorge, heißt es in dem Bericht. Die Höhe der staatlichen Zulagen liege jeweils bei etwa 316 Euro. Das Riester-Fördervolumen betrug im Jahr 2009 insgesamt 2,4 Milliarden Euro.

Die Zahl der Riester-Verträge hat auch 2012 weiter zugenommen – auf 15,56 Millionen. Allerdings ist die Attraktivität dieser Sparform offenbar gesunken. Zum bisherigen Bestand kamen im ersten Halbjahr gerade einmal 200 000 dazu. Bislang betrug der Zuwachs pro Jahr jeweils rund eine Million. Als Gründe für die neue Zurückhaltung nennt die Regierung die Finanzkrise sowie wachsende „Skepsis gegenüber kapitalgedeckten Altersvorsorgesystemen“. Und für Letzteres macht sie auch die Medien und deren „Negativberichterstattung über die Riester-Rente“ verantwortlich.

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