Anschlag im Kosovo : EU-Polizist stirbt bei Anschlag im Nordkosovo

Ein 35-jähriger EU-Polizist wurde bei einem Anschlag im Norden des Kosovo tödlich verwundet. Der Anschlag ereignete sich in der Nähe von Zvecan, einer mehrheitlich von Serben bewohnten Stadt. Dieser Zwischenfall könnte Serbiens Beitritt in die EU gefährden.

Die EU Polizei- und Justizmission ist nicht überall beliebt. Die Hintergründe des Attentats sind immer noch ungeklärt.
Die EU Polizei- und Justizmission ist nicht überall beliebt. Die Hintergründe des Attentats sind immer noch ungeklärt.Foto: picture Alliance

Unbekannte Täter haben im Nordkosovo einen tödlichen Anschlag auf ein litauisches Mitglied der EU-Polizei- und Justizmission (EULEX) verübt. Nach amtlichen Angaben aus Litauen handelte es sich bei dem Opfer um den 35-jährigen Audrius Senavicius. Das Opfer sei am Morgen in die Klinik von Kosovska Mitrovica gebracht worden, sagte deren Chef Milan Ivanovic der Nachrichtenagentur AFP. Demnach wurde der Mann von zwei Kugeln in der linken Lunge und im Magen getroffen. Alle Wiederbelebungsversuche seien gescheitert, sagte Ivanovic weiter.

Der Angriff ereignete sich in der Nähe der mehrheitlich von Serben bewohnten Ortschaft Zvecan. Unbekannte Täter schossen auf zwei EULEX-Fahrzeuge, wie die Mission mitteilte. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Tat. "Die Verantwortlichen müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte Ashton in Brüssel. Die EU werde ihr Engagement im Kosovo fortsetzen und den Dialog zwischen der serbischen und der Kosovo-Regierung vorantreiben. „Ich rufe alle Beteiligten auf, ihre Bemühungen zu verdoppeln, um die getroffenen Vereinbarungen zur Normalisierung ihrer Beziehungen und zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Nordkosovo umzusetzen“, forderte Ashton.

Nach Angaben von Ashtons Sprecherin ist der Tote das erste Opfer der 2008 gegründeten EULEX-Mission. Derzeit werde geprüft, ob Konsequenzen etwa bei einer Erhöhung der Sicherheit für die EULEX-Mitglieder nötig seien. Der serbische Regierungschef Ivica Dacic sprach von einer „verrückten extremistischen Tat“. Sie richte sich „gegen die Serben im Kosovo sowie gegen die Zukunft Serbiens und seiner Bewohner“.

Die EULEX-Mission soll dem Kosovo bei der Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien helfen und seine Polizei-, Zoll- und Justizbehörden überwachen. Vor gut einer Woche hatte die Regierung in Belgrad mehrere serbische Gemeinderäte im Norden des Kosovo aufgelöst, weil sich einzelne Mitglieder gegen eine Normalisierung der Beziehungen mit Pristina und für einen Boykott der im November anstehenden Kommunalwahlen eingesetzt hatten.
Ein reibungsloser Verlauf der Kommunalwahlen ist Teil der Vereinbarungen, welche die Verhandlungspartner in ihrem Abkommen über eine Normalisierung ihrer Beziehungen im April getroffen hatten.

Dazu zählt auch, dass der Norden des Kosovo eine gewisse Autonomie erhalten soll. Pristina hat nahezu keine Kontrolle über das Gebiet an der Grenze zu Serbien. Die Europäische Union entsendet eine Beobachtermission zu den Kommunalwahlen. Die Beobachter sollten die Behörden des Balkanstaates bei der Organisation einer fairen und alle Bevölkerungsgruppen einschließenden Wahl unterstützen, erklärte Ashton. Die Mission wird von dem italienischen Europaabgeordneten Roberto Gualtieri geleitet. Ashton vermittelt seit zwei Jahren zwischen Belgrad und Pristina.

Der Kosovo hatte sich im Februar 2008 von Serbien losgelöst, doch erkennt Serbien die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz bislang nicht an. Die Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen war die Voraussetzung für die Entscheidung zur Aufnahme von Beitrittsgesprächen der EU mit Belgrad, die im kommenden Januar beginnen könnten.

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