Politik : Bankenchef aus Kabul flieht in die USA

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Neu-Delhi - Afghanistans Zentralbankchef Abdul Kadir Fitrat hat das Handtuch geworfen und ist in die USA geflohen – angeblich aus Angst um sein Leben. Fitrat war damit befasst, den größten Finanzskandal des Landes bei der regierungsnahen Kabulbank zu untersuchen. Er habe „glaubwürdige Informationen“, dass sein „Leben in Gefahr ist“, sagte er am Dienstag Reportern telefonisch angeblich aus einem Hotel nahe Washington. Zugleich deutete er an, dass die Regierung von Präsident Hamid Karsai die Schuldigen deckt. Diese konterte, Fitrat sei in den Skandal verwickelt.

Fitrats Rücktritt könnte die weiter schwelende Krise um die Kabulbank verschärfen. Der Internationale Währungsfonds hat Gelder an Afghanistan so lange gestoppt, bis die Regierung ein Bündel von Maßnahmen ergreift. Fitrat stand nach eigenen Angaben unter Beschuss, seit er im April vor dem Parlament Details der Affäre und auch Namen offenbarte. Die private Kabulbank war 2010 beinahe zahlungsunfähig geworden, nachdem ihre Eigner sich selbst sowie einflussreichen Kunden über Jahre dubiose Kredite über fast 850 Millionen Dollar zuschusterten. Besorgte Kleinsparer hatten Filialen gestürmt, um ihr Geld zu retten. Die Kabulbank ist eng mit der Karsai-Regierung verbandelt. Zu ihren Anteilseignern zählen Präsidentenbruder Mahmud Karsai und ein Bruder des Vizepräsidenten Mohammed Qasim Fahim. Das Finanzinstitut soll den Wahlkampf des Präsidenten mitfinanziert haben, auch die Gehälter der meisten Beamten und Sicherheitskräfte laufen über die Kabulbank.

Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf Korruption und Vetternwirtschaft in Afghanistan. Fitrat deutete an, dass Regierung und hochrangige Politiker versuchten, das Ausmaß des Betrugs zu vertuschen und die Schuldigen zu decken. Die Regierung konterte und bezichtigte ihrerseits Fitrat. „Dies ist kein Rücktritt, dies ist Flucht und ein Verrat am Afghanischen Volk“, sagte Karsai-Sprecher Waheed Omer. Der von Karsai ernannte Generalstaatsanwalt bat angeblich Interpol und die USA, nach Fitrat zu fahnden. Westliche Beobachter meinten dagegen, Fitrat sei geflohen, weil er sich nicht zum Sündenbock für den Bankenskandal machen lassen wolle. Christine Möllhoff

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