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BER-Aufsichtsratschef im Interview : Platzeck: „Ich finde es gut, wie tabulos Herr Mehdorn herangeht“

11.05.2013 21:29 Uhrvon und
Sieht sich und Hartmut Mehdorn nicht weit voneinander entfernt. BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck.Bild vergrößern
Sieht sich und Hartmut Mehdorn nicht weit voneinander entfernt. BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck. - Foto: dpa

Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck spricht im Interview über die Pannen am BER, das Warten auf einen Eröffnungstermin und die Chancen des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Herr Platzeck, was ist für Sie die größere Quälerei, Flughafen-Aufsichtsrat oder der Hexenschuss nach einem Sportunfall?

Ich bin seit vier Monaten Vorsitzender des Aufsichtsrats. Das ist eine zusätzliche Aufgabe, eine die Kraft braucht, aber nicht weh tut. Das andere ist schlimmer.

Vier Mal wurde vergeblich versucht, den Flughafen zu starten. Nun will Vorstandschef Hartmut Mehdorn den BER erst ein bisschen eröffnen. Was halten Sie davon?
Mit dem Unternehmen ist ausgemacht, dass bis Spätsommer 2013 Szenarien geprüft werden, wann und wie der Flughafen eröffnet werden kann.

Erst dann wird entschieden. Es gibt dabei Rahmenbedingungen, die stehen, eine davon heißt: Es wird ein Single-Flughafen, der künftig den Flugverkehr für Berlin und Brandenburg abwickeln wird. Ob der Start des BER auf einen Schlag erfolgt, an einem Tag, in einer Nacht, oder es Zwischenschritte gibt, wird mit untersucht. Es geht aber nicht darum, Tegel jahrelang parallel offen zu halten.

Die Tegel-Anwohner brauchen sich keine Sorgen zu machen?
Ganz klar: Nein. Es kann allenfalls um einige Wochen oder Monate länger in Tegel gehen, um eine Übergangsfrist, falls ein gleitendes Eröffnungsszenario trägt. Tegel wird keine wie auch immer geartete Dauerlösung. Ich kann mir das rechtlich nicht vorstellen, auch betrieblich und finanziell nicht.

Herr Mehdorn klingt anders.
Ich glaube, dass Herr Mehdorn nicht weit von dem entfernt ist, was ich gesagt habe.

Ein neuer BER-Eröffnungstermin ist nicht in Sicht. Warum geht es nicht schneller?
Natürlich wissen wir, dass das im gesamten Zeitablauf alles viel zu lange gedauert hat. Ich bin vor vier Monaten unter der Prämisse angetreten, systematisch, zügig, aber nicht überstürzt, zu einem tragfähigen Fahrplan zu kommen. Wir haben die Geschäftsführung inzwischen komplett und kompetent neu besetzt, wir sind bei der Bestandsaufnahme vorangekommen. Im Spätsommer werden wir über die Szenarien zur Eröffnung Klarheit haben. Und ich bleibe dabei: In diesem Jahr wird ein neuer Eröffnungstermin genannt.

Der BER wird in absehbarer Zeit an Kapazitätsgrenzen stoßen. Was halten Sie vom Vorschlag, Billig-Airlines weiter im alten Schönefelder Terminal abzufertigen?
In der Interimszeit, die unschön ist, wachsen viele Gedankenspiele. Das ist eines. Wir haben einen Flughafen konzipiert, der auch so gut wie fertig ist. Er kann und wird den Flugverkehr bewältigen.

Nicht wenige Gedankenspiele gehen auf Mehdorn selbst zurück, Tegel-Debatte, Scheibchen-Eröffnung. Wird sein ständiges Vorpreschen zum Problem?
Nein, überhaupt nicht. Herr Mehdorn ist ja kein Unbekannter. Ich kann mit seinen Denkmodellen – die ich nicht durchweg teile – gut leben. Denn ich finde es richtig, dass Herr Mehdorn tabulos an diese verfahrene Kiste herangeht, um den vernünftigsten Weg herauszufinden. Denkverbote sind immer falsch. Aber: Wir sollten manche Debatten zunächst intern führen. Da müssen wir besser werden, um so wenig wie möglich zu irritieren.

Herr Mehdorn hat weiter freie Hand?
Er ist Vorsitzender der Geschäftsführung. Er füllt diese Rolle aus. Und das ist gut so.

Aber er wurde gestoppt, als er einen Kommunikationschef für ein Managergehalt von 200 000 Euro plus Boni einstellen wollte. Bedauern Sie das Veto Berlins?
Die Personalie hat die erforderliche Mehrheit in den Gremien nicht bekommen. Mit dem Fakt müssen wir umgehen.

Sie hätten die Personalie bewilligt?
Sehen Sie mir nach, ich diskutiere Personalien nie öffentlich. Ich bin da sehr altmodisch.

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