Casdorffs Agenda : Der Westen braucht die Türkei

Kritik an Erdogan ist angesichts des Konflikts mit den Kurden sicherlich berechtigt, aber kooperieren muss der Westen trotzdem mit der Türkei

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Der eine Sultan, der andere Zar? Der türkische Präsident Erdogan und Russlands Präsident Putin haben viele Gemeinsamkeiten.
Der eine Sultan, der andere Zar? Der türkische Präsident Erdogan und Russlands Präsident Putin haben viele Gemeinsamkeiten.Foto: Adem Altan/AFP

Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnt die türkische Regierung vor Überreaktionen. Was wirklich nicht übertrieben ist. Denn die Angriffe auf die PKK bis hinein in den Nordirak sind schon jetzt unmäßig. Bald muss man von einem Erdogan-Regime sprechen. Denn Recep Tayyip Erdogan übt permanent Druck aus auf alles und alle, die ihm im Weg stehen. Er will ein Präsidialsystem errichten, das sehr an das von Wladimir Putin in Russland erinnert. Der eine Zar, der andere Sultan? Auf diese Weise entfremden sich beide dem demokratischen Westen.

Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff
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Die Türkei vergibt eine große Chance, sich als politisch (beitritts-)reif zu erweisen. Jetzt alle Kurden des Terrorismus zu verdächtigen, ist entweder einfältige oder böswillige Politik. Trotzdem: Reden muss man mit der Regierung in Ankara. Die Welt um uns herum benötigt Kooperation – aber vordringlich gegen die Terrormiliz IS. Und hier kann man ausnahmsweise einmal nicht sagen, dass Erdogan überreagiert.

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