China baut Akw im Sudan : Atomenergie für den Despoten Omar al Baschir

Er wird wegen Kriegsverbrecher und Völkermord gesucht: Jetzt baut China Sudans Despoten Omar al Baschir ein Atomkraftwerk.

Kevin P. Hoffmann
Der 72-Jährige Despot, der sich vor 27 Jahren an die Macht geputscht hat, darf sich über einen politischen Coup freuen. Foto: REUTERS
Der 72-Jährige Despot, der sich vor 27 Jahren an die Macht geputscht hat, darf sich über einen politischen Coup freuen.Foto: REUTERS

Präsident Omar al Baschir hat nicht so viel zu lachen. Seine Mitbürger, die Menschen von Sudan, haben allerdings noch viel weniger Grund dazu. Es liegt ein internationaler Haftbefehl vom Strafgerichtshof in Den Haag gegen al Baschir vor. Er soll Kriegsverbrechen begangen haben, auch Völkermord wirft man ihm vor. Das schränkt ihn auf Auslandsreisen doch empfindlich ein. Nun aber darf sich der 72-jährige Despot, der sich vor 27 Jahren an die Macht geputscht hat, endlich mal über einen politischen Coup freuen: Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua verkündete, hat der Direktor der chinesischen Energiebehörde, Nur Bekri, während eines dreitägigen Besuchs in Khartum ein Rahmenabkommen zum Bau des ersten Atomkraftwerks in dem nordostafrikanischen Land unterzeichnet. Ein Akw. Im Sudan. Unglaublich.

Es wäre Afrikas zweites Kernkraftwerk. Zwei Reaktorblöcke brachte Südafrikas Apartheidsregime bereits 1984 in Koeberg nördlich von Kapstadt ans Netz. Damals strebte das Land noch nach der „Bombe“. Seither ist nicht viel passiert – außer weiteren Absichtserklärungen. So gibt es auch Pläne im Öl- Staat Nigeria und in Kenia. Letzteres Land, das als ein wenig fortschrittlicher gilt, hat allerdings mittlerweile ein Energiekonzept verabschiedet, in dem Windenenergie und Geothermie (Erdwärme) eine große Rolle spielen. Atomkraft nicht mehr.

Anders im Sudan. Das heimische Öl ist von minderer Qualität, auf dem Weltmarkt kaum zu verkaufen. Als Sudans Regierung unlängst die Subventionen für Benzin kappte, gab es Revolten. Und Stromausfälle vereiteln – wie fast überall von Botswana bis Ägypten – eine stetige wirtschaftliche Entwicklung. Da kommen die Chinesen wie gerufen.
Sie wollen ab 2021 im Sudan ihre heimische Entwicklung, Modell „Hualong 1“, auf den Sand bauen und bis 2027 ans Netz bringen. Es wäre das erste Mal im Ausland. Ein Referenzprojekt. Geplant sind zwei Druckwasserreaktoren mit je 600 Megawatt. Das entspricht der Leistung mittlerweile abgeschalteter deutscher Akw der 1960er Jahre. Gleichwohl wäre Sudan, heute Platz 166 von 187 im Human Development Index der Vereinten Nationen, plötzlich eine kleine Energiemacht.

Insgesamt 444 Reaktoren stehen derzeit in 30 entwickelten Ländern, weiß die china-freundliche Internationale Atomenergiebehörde. (Eigentlich sind es 31 Länder. Sechs Reaktoren stehen in Taiwan.) Wer aber verhindert, dass der sudanesische Meiler Terroristen als Selbstbedienungsladen dient? Darum kümmert sich al Baschir wohl nicht mehr. Er wäre in elf Jahren 83.

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