Politik : Dresden erinnert an Ermordung von Marwa el-Sherbini

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Dresden/Berlin - Am zweiten Todestag von Marwa el-Sherbini hat die Stadt Dresden ihrer ermordeten Mitbürgerin gedacht. Während einer Feierstunde im Dresdner Landgericht, wo die 31-jährige, aus Ägypten stammende Apothekerin am 1. Juli 2009 ermordet wurde, mahnte Sachsens Justizminister Jürgen Martens (FDP) zu Toleranz und Respekt vor jeglichem Glauben und jeder Herkunft. Dies sei das Vermächtnis der Toten.

Marwa el-Sherbini gilt als erstes Opfer eines islamophob motivierten Mordes in Deutschland. Ihr Mörder hatte sie im Gerichtssaal vor den Augen ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes mit 18 Messerstichen getötet, nachdem el-Sherbini, im dritten Monat schwanger, in einem Beleidigungsprozess gegen ihn ausgesagt hatte. Ihr Ehemann, Wissenschaftler am Dresdner Max-Planck-Institut, wurde beim Versuch, ihr zu helfen, ebenfalls lebensgefährlich durch Messerstiche verletzt. Der jetzt 29-jährige Alex W. wurde 2009 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt; wegen der besonderen Schwere seiner Schuld ist ausgeschlossen, dass er bereits nach 15 Jahren entlassen werden kann.

W. hatte Marwa el-Sherbini, die ein Kopftuch trug, auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“, „Schlampe“ und „Terroristin“ beleidigt, als sie ihn bat, eine Schaukel für ihren Sohn freizugeben. In Briefen, die er im Beleidigungsverfahren an das Gericht schrieb, bekannte W. seinen Hass auf Muslime, denen er das Recht absprach, in Deutschland zu leben.

Während der Feierstunde im Dresdner Landgericht am Freitag sagte der aktuelle Sprecher des Koordinationsrats der Muslime (KRM), Aiman Mazyek, noch immer werde „antimuslimischer Extremismus in unserem Lande“ unterschätzt. „Die steigenden Zahlen von Übergriffen auf Muslime, die zunehmenden Anschläge auf unsere Gotteshäuser müssen jedoch jeden Demokraten und aufrechten Bürger wachsam werden lassen, denn sie gefährden die freiheitlich-demokratische Ordnung unseres Landes maßgeblich.“ Im Gedenken an die Tote sprach Mazyek Koranverse.

Für den Abend war in Dresden auch eine Gedenkveranstaltung des Ausländerbeirats der Stadt geplant, an der örtliche Initiativen und Moscheevereine teilnehmen sollten. Andrea Dernbach

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar