Politik : Ein bisschen Buße

Bischöfe bitten um Vergebung für Missbrauch

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Paderborn - Matthias Katsch hat den ganzen Tag überlegt: Soll er sich den Gottesdienst antun? Die deutschen Bischöfe haben ein Jahr lang überlegt: Sollen sie sich einen Gottesdienst mit Bußakt antun? Katsch wurde als Jugendlicher am Berliner Canisius-Kolleg von einem Jesuitenpater misshandelt. Ihm und seinen Mitschülern ist es zu verdanken, dass 2010 so viele Fälle von Missbrauch öffentlich wurden.

An diesem Montag steht Katsch mit anderen Vertretern der Opferinitiative „Eckiger Tisch“ auf dem Marktplatz in Paderborn und demonstriert. Auf Plakaten heißt es: „Buße allein genügt nicht“ oder „So schäbig könnt Ihr Euch nicht freikaufen.“ Katsch ist wütend über die „Selbstgenügsamkeit der Bischöfe“. Nach wie vor wurden etliche Täter nicht einmal kirchenintern zur Rechenschaft gezogen. Und die 5000 Euro, die die katholische Kirche den Opfern angeboten hat, hält Katsch für „unangemessen“. Die Kirche habe nicht verstanden, „wie unsere Leben beschädigt wurden“.

Eine Viertelstunde zu Fuß entfernt treffen sich die 69 deutschen katholischen Ortsbischöfe in einem Hotel zur Frühjahrsvollversammlung. Als sie am Abend zum Gottesdienst im Dom zusammenkommen, ziehen sie durch den Hintereingang ein, durch die Rote Pforte. Das ist die Tür für die Büßer. Die Bischöfe betreten den Dom ohne Mitra und Stab, ohne die Insignien der Macht. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz, trägt ein Kruzifix. Vor dem Altar knien die Bischöfe nieder. „Unser Vater, wir knien als Sünder vor Dir“, beginnt Zollitsch die Bußliturgie. „Männer der Kirche haben junge Menschen missbraucht und ihrem Leben schweren Schaden zugefügt. Das Wissen um den Missbrauch lastet schwer auf uns.“ Die Bischöfe und 1500 Paderborner antworten: „Bekehre uns, vergib die Sünden.“ Der Bußakt soll „ein Zeichen an die Opfer sein, dass wir ihr Leiden ernst nehmen“, so Zollitsch.

Der Dubliner Bischof hatte Opfern die Füße gewaschen. Andere haben sich vor dem Kreuz auf den Boden gelegt. „Es hätte durchaus stärkere Zeichen gegeben“, musste Zollitsch zugeben. Aber darauf konnten sich die deutschen Bischöfe nicht einigen. Einige hielten öffentliche Buße für überflüssig.

Matthias Katsch verlässt den Dom nach wenigen Minuten wieder. „Ich habe gemerkt, dass das alles nichts mit mir zu tun hat“, sagt er. Claudia Keller

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