Politik : Erdogan tut Gutes und redet darüber Humanitäre Hilfe und politische Ambitionen

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Istanbul - Die Szene hatte Seltenheitswert in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Ein ausländischer Staatsgast wurde am Flughafen mit militärischen Ehren empfangen, die somalische Flagge wehte neben der Fahne des Besuchers. Zum ersten Mal seit langen Jahren konnten die Somalier den Regierungschef eines westlichen Landes begrüßen. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan war gekommen, um Hilfe für die Hungernden zu bringen – und um das gestiegene Interesse seines Landes für Afrika zu unterstreichen.

Erdogan brachte fast seine gesamte Familie, seinen Außenminister Ahmet Davutoglu und zwei Flugzeuge voller Hilfsgüter und Begleiter mit ans Horn von Afrika. Viele Türken hat das Leid in Somalia tief berührt. Eine von den Medien und der Regierung unterstützte Spendenaktion ist so erfolgreich, dass bis zum Ende des Ramadan wohl 200 Millionen Dollar an Hilfsgeldern zusammengekommen sein werden. Außerdem trommelte Erdogans Regierung die Vertreter der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) innerhalb weniger Wochen zu zwei Konferenzen zum Thema Somalia in Istanbul zusammen. Dabei kamen Spendenzusagen für weitere 150 Millionen Dollar zusammen. Dass er selbst trotz aller Sicherheitsbedenken mit seiner Frau Emine und drei seiner vier Kinder nach Mogadischu flog, dürfte ihm ebenfalls hoch angerechnet werden. In der somalischen Hauptstadt besuchte er ein vom türkischen Roten Halbmond errichtetes Lager für Hungernde und kündigte den baldigen Aufbau eines türkischen Feldlazarettes an.

„In erster Linie geht es bei der Reise um humanitäre Dinge“, sagte der Afrika-Experte Halil Ibrahim Bahar von der Denkfabrik Strategisches Institut Ankara. „Aber natürlich spielen auch wirtschaftliche und politische Dinge eine Rolle.“ Auf wirtschaftlicher Ebene will die Türkei, die auf der Rangliste der größten Volkswirtschaften der Welt auf Platz 17 liegt, ihre Exporte nach Afrika kräftig steigern. Derzeit liegen die Ausfuhren auf den Kontinent bei rund zehn Milliarden Dollar im Jahr, das sind nicht einmal zehn Prozent der türkischen Gesamtexporte. Auch politisch könnte sich der türkische Einsatz in Afrika lohnen. Vor zwei Jahren verhalfen afrikanische Staaten mit ihren Stimmen in den UN der Türkei zu einem einjährigen Sitz im Sicherheitsrat. Im Jahr 2015 will die Türkei wieder in dem höchsten Gremium der Weltorganisation sitzen. Thomas Seibert

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