Politik : Erste Festnahmen in Marrakesch

Politischer Reformprozess könnte nach Anschlag in Straßencafé bedroht sein

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Nach dem schweren Terroranschlag im Zentrum der marokkanischen Touristenstadt Marrakesch fahndet die Polizei nach den Hintermännern. Der Anschlag war nach Angaben der Behörden kein Selbstmordattentat. Das teilte der marokkanische Innenminister Taieb Cherkaoui am Freitagabend in Rabat mit. Der Sprengsatz sei per Fernzündung detoniert worden. Dies deute darauf hin, dass Extremisten aus dem Umfeld der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (AQMI) für das Attentat verantwortlich sind – auch wenn sich bisher niemand zu dem Anschlag bekannte. Inoffiziellen Berichten zufolge nahmen die Sicherheitsbehörden in den letzten Stunden mehrere Personen fest.

Am Donnerstagmittag waren bei einer Bombenexplosion im vollbesetzten Restaurant und Kaffeehaus „Argana“ am berühmten mittelalterlichen Marktplatz Djemaa el Fna mindestens 16 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer sind ausländische Urlauber. Nach Angaben der marokkanischen staatlichen Presseagentur Map wurden bisher erst sieben Tote identifiziert: Zwei Franzosen, zwei Kanadier, ein Holländer und zwei Marokkaner. Unbestätigten Berichten zufolge sollen mindestens vier weitere Franzosen, ein Israeli und ein Brite umgekommen sein. Unter den mehr als 20 Verletzten befinden sich zehn Franzosen, zwei Schweizer und zwei Russen. Sie liegen mit zum Teil schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Frühere Attentate in Marokko waren meist durch Rucksackbomben oder Selbstmord-Attentäter verübt worden. Im Jahr 2007 waren bei einer Bombenserie in der größten marokkanischen Stadt Casablanca sieben Menschen umgekommen. 2003 starben ebenfalls in Casablanca bei Kamikaze-Anschlägen auf ein Hotel und zwei Restaurants 45 Menschen, darunter neun Europäer. Die Täter von Casablanca sollen Verbindung zu Al Kaida gehabt haben.

Der Tourismus ist Marokkos wichtigste Einnahmequelle. Im vergangenen Jahr kamen rund zehn Millionen Urlauber ins Land, die meisten aus Europa. Nach den politischen Umstürzen in Tunesien und Ägypten waren in Marokko, das bisher als vergleichsweise stabil galt, die Buchungszahlen noch gestiegen.

Das Attentat könnte auch die politische Öffnung bremsen, die Marokkos König Mohammed VI. versprochen hat, um die wachsenden Proteste im ganzen Land zu ersticken. Das Land sei jetzt „mit den gleichen Bedrohungen konfrontiert wie 2003“, sagte ein marokkanischer Regierungssprecher. Damals hatte Mohammed die Zügel angezogen, tausende Verdächtige verhaften lassen und politische Freiheiten eingeschränkt. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International beklagten „Willkür“ und „Folter“ der Sicherheitsbehörden. Informationsminister Jalid Naciri erklärte allerdings am Freitag, der Reformprozess werde ungeachtet des Attentats fortgesetzt. Das deutsche Außenministerium rät „zu erhöhter Aufmerksamkeit“, heißt es in den Reise- und Sicherheitshinweisen zu dem nordafrikanischen Land.

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