EU-Verbot : Tierversuche für Kosmetika verboten

Kein Tier muss länger leiden, damit wir schön sind: Ein EU-Verbot regelt seit Montag, dass zukünftig keine Tierversuche in der Kosmetik-Industrie erlaubt sind.

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Seit dem gestrigen Montag kann in der Europäischen Union endgültig jeder Kosmetikartikel mit der Gewissheit gekauft werden, dass dafür keine Tiere leiden mussten.
Seit dem gestrigen Montag kann in der Europäischen Union endgültig jeder Kosmetikartikel mit der Gewissheit gekauft werden, dass...Foto: dpa

Es gibt ein wenig Entlastung für alle überforderten Verbraucher. Eine der quälenden Entscheidungen nämlich, die – richtig und teuer getroffen – das Essen besser, das Klima kühler,  soziale Ausbeutung  seltener und Afrika weniger arm machen würden, fällt weg. Seit dem gestrigen Montag kann in der Europäischen Union endgültig jeder Kosmetikartikel mit der Gewissheit gekauft werden, dass dafür keine Tiere leiden mussten.
Es hat lange gedauert, bis es soweit war: 1993 gab es erste Bestrebungen auf europäischer Ebene. Die Umsetzung einer später verabschiedeten EU-Richtlinie wurde jedoch mehrfach vertagt, weil es „keine Alternativen zu den Tierversuchen“ gab, wie es bei der EU-Kommission heißt. In Deutschland wiederum sind Tierversuche für die Schönheitsindustrie schon seit 1998 verboten, was aber noch nichts über den Verkauf von Deo, Shampoo oder Parfüm aussagt, die auf diese Weise getestet wurden. Erst 2003 verabschiedeten die Europäer ein entsprechendes Gesetz, das erst Versuche mit dem fertigen Produkt, später auch mit bestimmten Teilsubstanzen für unzulässig erklärte und mit dem gestrigen Tag alle Ausnahmen abschafft. „Das ist ein wichtiger Schritt für den Tierschutz“, teilte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner mit, „dafür haben wir lange gekämpft“.
Der zuständige EU-Kommissar Tonio Borg hätte das vollständige Verbot noch stoppen beziehungsweise erneut hinauszögern  können, weil „ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen durch alternative Verfahren bisher noch nicht möglich ist“, wie seine Behörde mitteilte. Sie entschied sich aber dagegen, den Mitgliedstaaten eine weitere Fristverlängerung für die Kosmetikindustrie vorzuschlagen.

Die in Europa 71 Milliarden Euro schwere Branche, die 180000 Menschen beschäftigt und jedes Jahr ein sattes Viertel ihrer Produktpalette austauscht, erhielt stattdessen die Zusage, dass die Forschung an anderen Testmethoden – Crèmes etwa können an künstlicher Haut getestet werden – weiterhin finanziell gefördert wird. Zwischen  2007 und 2011 gab es dafür aus EU-Töpfen 238 Millionen Euro. Dass es keine weiteren Ausnahmen geben soll, so  Borg, „entspricht der festen Überzeugung vieler europäischer Bürgerinnen und Bürger, dass die Entwicklung von Kosmetika keine Tierversuche rechtfertigt“.
Die Suche nach neuen Medikamenten schon. Europaweit finden dafür weiterhin Versuche mit Millionen von Mäusen, Katzen oder Kaninchen statt. Immerhin werden noch dieses Jahr die entsprechenden Regeln verschärft: Die Zahl der Versuchstiere und das Ausmaß ihres Leidens müssen dann so weit wie möglich verringert werden.


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