Festnahme des Syrien-Rückkehrers Nils D. : Die Fanatiker der "Lohberger Gruppe"

Mit anderen jungen Männern aus der Dinslakener Salafisten-Szene war Nils D. nach Syrien gereist und hatte sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" angeschlossen. Im November 2014 kehrte er zurück - nun wurde er festgenommen. Weil von ihm Gefahr ausgegangen sei.

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Ein Mann wird am Sonntag im Bundesgerichtshof in Karlsruhe durch den Eingang gebracht.
Ein Mann wird am Sonntag im Bundesgerichtshof in Karlsruhe durch den Eingang gebracht.Foto: dpa

Der am Sonnabend in Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) festgenommene Nils D. gehörte nach Informationen des Tagesspiegels einer Gruppe von knapp einem Dutzend Salafisten in der Kleinstadt an, die zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ gereist waren. Im Dinslakener Viertel Lohberg gibt es eine salafistische Szene mit etwa 25 Personen, einer von ihnen ist der 24 Jahre alte Konvertit Nils D. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung sowie der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Beim letztgenannten Vorwurf reicht es schon, in einem Terrorcamp eine paramilitärische Ausbildung absolviert zu haben. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hatte am Sonnabend einen Haftbefehl gegen Nils D. ausgestellt. Gegen ihn war bereits seit Anfang 2014 ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Düsseldorf anhängig, das dann Generalbundesanwalt Harald Range übernahm.

Nils D. soll im Oktober 2013 nach Syrien gereist und sich der damals noch unter dem Namen  ISIS auftretenden Miliz angeschlossen haben. Im November vergangenen Jahres kehrte er zurück. Drei weitere Mitglieder der ausgereisten Clique, die Sicherheitsbehörden sprechen von der „Lohberger Gruppe“, sind ebenfalls wieder in Deutschland. Diese drei gelten als desillusioniert und sind offenbar traumatisiert aus der Kampfregion Syrien-Irak wiedergekommen. Bei Nils D. hingegen, sagen Sicherheitskreise, sehe das anders aus. Desillusioniert sei er vermutlich nicht.

Obwohl er bereits im November nach Deutschland kam, erfolgte der Zugriff offenbar erst jetzt, weil die Behörden wahrscheinlich beobachten wollten, welche Kontakte Nils D. in der salafistischen Szene in Deutschland  unterhält. Da der Mann als gefährlich gilt, vollzog die Festnahme ein Spezialeinsatzkommando der nordrhein-westfälischen Polizei.

Die Lohberger Gruppe hat für ihren Fanatismus einen hohen Preis bezahlt. Mindestens drei Mitglieder sind tot. Einer, Philipp B. alias Abu Osama al Almani, starb als Selbstmordattentäter. Er sprengte sich im August 2014 im Nordirak in die Luft. Bei dem Angriff auf einen Stützpunkt der kurdischen Peschmerga sollen mehr als 20 ihrer Kämpfer getötet worden sein. Die anderen Toten der Lohberger Gruppe  sollen bei Gefechten ums Leben gekommen sein.

Philipp B. hatte Ende 2013 in einem Propagandavideo der ISIS Salafisten in Deutschland aufgerufen, zum Dschihad nach Syrien zu kommen. „Meine Brüder und Schwestern: macht euch auf den Weg“, forderte der Konvertit. Syrien sei „ein Ort der Sicherheit“. Er behauptete, „ihr könnt hier gut leben, ihr könnt euren Islam hier frei praktizieren“. Und „das Schönste“ sei, „hier hast du ,Izzah’, Ehre“. Ein anderes Mitglied der Lohberger Gruppe, der Deutschtürke Mustafa K., posierte auf Bildern im Internet mit abgeschlagenen Köpfen, mutmaßlich von Soldaten oder Milizionären des syrischen Diktators Baschar al Assad.

Die Bundesanwaltschaft führt, Stand Dezember 2014, bereits 46 Verfahren gegen insgesamt 83 Beschuldigte, die sich mutmaßlich in den syrischen Bürgerkrieg begeben haben oder zumindest als Unterstützer für terroristische Gruppierungen dort tätig geworden sein sollen. Mehr als 550 Salafisten aus Deutschland sollen inzwischen in Syrien gewesen sein, etwa 180 kamen wieder in die Bundesrepublik. Zehn Salafisten aus Deutschland sind nach Erkenntnissen von Polizei und Nachrichtendiensten als Selbstmordattentäter gestorben. Die Zahl der aus der Bundesrepublik stammenden Toten in der Konfliktregion Syrien-Irak ist aber noch deutlich höher. Zusätzlich zu den zehn Selbstmordattentätern sollen ungefähr 50 Salafisten bei Gefechten ums Leben gekommen sein.  

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