Flashmob : "Yeah!"-Welle schwappt nach Berlin

Angela Merkel kann sich auf ihrer Wahlkampftour vor Zuspruch kaum retten. Flashmobber sammeln sich zu den CDU-Wahlkampfveranstaltungen und schreien "Yeah!". Zum CDU-Wahlkampfabschluss in der Arena in Treptow werden wieder hunderte Aktivisten erwartet.

Nana Heymann

So viel Zuspruch bekam Angela Merkel wohl noch nie: Sie hatte ihre Ansprache auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hamburg kaum begonnen, da wurde sie auch schon von lautem Jubel unterbrochen. "Yeah!", rief eine Gruppe von etwa 200 Menschen, da hatte die Kanzlerin gerade erst "meine Damen und Herren" begrüßt. Im weiteren Verlauf ihrer Rede quittierte die Gruppe fast jeden Satz mit einem euphorischen "Yeah!". Merkel sprach über die Wiedervereinigung - und erntete ein "Yeah!". Sie sprach über den Arbeitsmarkt - und wieder ein "Yeah!".

Bei den Zwischenrufern, die sich in den vergangenen Tagen bei Wahlkampfveranstaltungen in Hamburg, Mainz und Wuppertal unter das Publikum gemischt hatten, handelte es sich jedoch nicht um fanatische Anhänger der Kanzlerin - sondern um so genannte Flashmob-Aktivisten. Um Menschen, die sich im Internet zum Massenauflauf verabreden. Als Zeichen des Protests. An diesem Sonnabend, wenn Angela Merkel kurz nach 12 Uhr ihre Ansprache zum CDU-Wahlkampfabschluss in der Arena in Treptow hält, werden wieder hunderte Flashmobber erwartet.

Begonnen hatte alles mit einem Foto. Ein Wahlkampfplakat in Hamburg kündigte das Kommen der Kanzlerin an. Ein Unbekannter fügte in kritzeliger Eddingschrift hinzu: "Und alle so: Yeah!" Jemand fotografierte das derart verziert Plakat und stellte es ins Internet. Kurz darauf wurde es in verschiedenen Blogs begeistert kommentiert. "Ich kann einfach nicht aufhören, über diesen vielleicht weltbesten Wahlplakat-Kommentar zu lachen", schrieb Blogger Johnny Haeusler auf spreeblick.com.

Yeah! T-Shirt

Am Tag der Veranstaltung fanden sich dann tatsächlich knapp 200 "Yeah"-Anhänger auf dem Gänsemarkt ein. Ein Video, das bei der Internetplattform Youtube eingestellt wurde, dokumentiert das Ganze; es wurde innerhalb einer Woche mehr als 300.000 Mal angeklickt. Inzwischen gibt es passende T-Shirts und sogar ein Lied. Ironischer kann man den drögen Wahlkampf der vergangenen Wochen kaum kommentieren. Sinnloser Jubel für abgenutzte Floskeln.

Die Pressestelle der CDU versucht im Vorfeld der Abschlussveranstaltung in Berlin die Störaktionen herunterzuspielen. "Da gehen wir sehr gelassen mit um", sagt Ina Diepold. Spezielle Einlasskontrollen an der Arena in Treptow werde es jedenfalls nicht geben, um potenziellen Störenfrieden den Zutritt zu verwehren. Die Sprecherin sei in Hamburg selbst vor Ort gewesen. "Wenn man vorne steht, kriegt man davon nicht viel mit", sagt sie. So ganz scheint das jedoch nicht zu stimmen. Denn in Wuppertal unterbrach Angela Merkel ihre Rede sogar wegen der Yeah-Rufer: "Die jungen Leute sollten einfach ein bisschen besser zuhören. Dann könnten sie was fürs Leben lernen. Aber wir setzen das ins Internet. Dann können sie's später nachlesen." Die Menge antwortete mit einer La-Ola-Welle. Und einem überschwänglichen "Yeah!".

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