Flüchtlinge : Flughafen-Protest gegen Abschiebungen

"Guten Tag, meine Damen und Herren" - auf dem Flughafen erwartet man danach meist eine Flugplandurchsage. Am Sonntag in Tegel begann so eine kurze Guerilla-Aktion gegen die Sammelabschiebung von Flüchtlingen.

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Protest gegen Abschiebungen am Tegeler Terminal C.
Protest gegen Abschiebungen am Tegeler Terminal C.Foto: promo

Etwa zwei dutzend Aktivisten haben am Wochenende den Terminal C des Flughafens Tegel für eine Viertelstunde in einen Schauplatz ihres Protests verwandelt. Sie werfen der Fluggesellschaft Airberlin vor, eine zentrale Rolle in den Abschiebungen von Flüchtlingen, vor allem Roma, auf den Balkan zu spielen. Die Gruppe entrollte Transparente und verteilte Flyer, die den Bordkarten von Airberlin nachgebildet waren und auf denen dazu aufgefordert wurde, "nicht mehr unfairberlin" zu fliegen. Über Mikrofon erfuhren die Fluggäste in der Warteschlange vor den Abfertigungscountern, dass diese Flüge seit Jahren "nahezu ausschließlich" in gecharterten Maschinen der Fluglinie erfolgten. Man möge doch beim eigenen Flug die Crew einmal darauf ansprechen. Auf der Weltkarte auf einem Werbeschild von Airberlin ("Deine weltweiten Ziele. Deine Airline") ummalten die Demonstranten der Vereinigung "Kein Mensch ist illegal" die Zielorte Pristina und Belgrad und forderten den Stopp der "Charter-Deportation". Auf Anfrage des Tagesspiegels wollte sich Airberlin nicht zu den Vorwürfen äußern. Man sei nicht zu Auskünften verpflichtet, allerdings per Gesetz dazu, "alle Passagiere mit gültigen Flugtickets zu befördern, Rückzuführende eingeschlossen".

Die Aktivisten von "Kein Mensch ist illegal" allerdings werfen der Fluglinie vor, freiwilllig solche Rückführaktionen anzubieten und an ihnen zu verdienen. Geflogen werde etwa einmal monatlich, meist von Düsseldorf aus, nach Belgrad und Pristina. Airberlin sei inzwischen zur "zentralen Agentur für Roma-Abschiebungen" geworden. Die Gesellschaft biete auch Personal und Logistik an, sagt Hagen Kopp von der Initiative. Koordiniert und finanziert würden die Flüge, die gelegentlich auch bei Zwischenstopps im europäischen Ausland "aufgefüllt" würden, von der europäischen Grenzschutzagentur Frontex. Die nächste Sammelabschiebung läuft nach ihren Informationen am morgigen Dienstag, wieder vom Flughafen Düsseldorf aus.

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