Flüchtlinge im Irak : Neudeck fordert Luftbrücke

Der Mitbegründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, Rupert Neudeck, fordert eine Luftbrücke zur Versorgung der Flüchtlinge im Nordirak. Deutschland fehlen dafür aber die geeigneten Transportflugzeuge, kritisiert er im Interview.

von
"Cap Anamur"-Mitbegründer Rupert Neudeck.
"Cap Anamur"-Mitbegründer Rupert Neudeck.Foto: dpa

Herr Neudeck, am Freitag treffen sich die EU-Außenminister in Brüssel. Dabei soll auch über die Lage im Irak gesprochen werden. Sollte die EU eine Luftbrücke zur Versorgung der Flüchtlinge im Nordirak einrichten?

Eine Luftbrücke ist immer das allerletzte Mittel. Wenn man überhaupt keine Karten mehr im geopolitischen Spiel hat, dann muss man zumindest versuchen, eine Hungersnot zu vermeiden. Eine solche Hungersnot droht jetzt auch den Jesiden im Norden des Irak. Aber das Problem existiert in der gesamten Region: Nach unseren Informationen droht in Syrien, wohin auch viele Menschen vor den Dschihadisten des Islamischen Staats geflüchtet sind, ebenfalls eine Hungersnot. Ich war kürzlich an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei. Viele Syrer leiden mittlerweile an Hunger. Diese Situation kann man nicht mehr über einzelne Konvois mit Lkws bewältigen. Das heißt: Das allerletzte Mittel, die die Weltgemeinschaft noch hat, besteht darin, Lebensmittel und Versorgungsgüter in der Region abzuwerfen. Alternativ könnte man auch in regelmäßigen Abständen Nahrungsmittel einfliegen, wenn dafür ein geeigneter Flughafen zur Verfügung steht. Angesichts der Notlage der Jesiden wäre die zweite Option notwendig. Ich halte dies für eine dringliche Aktion, weil sie auch sofort umgesetzt werden könnte.

Braucht es dafür ein Mandat der Vereinten Nationen?
Das ist immer das beste. Ein solches Mandat ließe sich auch schnell herstellen, weil der UN-Sicherheitsrat in den letzten Wochen praktisch unentwegt getagt hat. Es wird auch sicherlich keine Hindernisse geben, der Einspruch eines Veto-Staates ist nicht zu erwarten. Es darf dabei keine Verzögerung geben.

Sollte sich Deutschland an humanitären Hilfsaktionen aus der Luft für die Menschen beteiligen, die vor den Dschihadisten des Islamischen Staates geflohen sind?

Das sollten wir besser befreundeten Partnern wie den Briten und Franzosen überlassen, die das besser können. Die Transall-Transportflugzeuge der Bundeswehr, die dafür in Frage kämen, sind störanfällig und veraltet. Deutschland hat es versäumt, sich für den Teil der Bundeswehr, der zu humanitären Einsätzen in der Lage ist, eine wirkliche Transportflotte zuzulegen. Beim Transport von größerem Gerät muss die Bundeswehr regelmäßig Transportflugzeuge vom Typ Antonow oder Iljuschin mieten, weil die Transall-Maschinen nur über einen eingeschränkten Radius verfügen und auch ihre Manövrierfähigkeit begrenzt ist. Die Bundeswehr sollte sich überlegen, ob sie statt Drohnen nicht besser geeignete Transportflugzeuge anschafft.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben